Dezember

31.12.2016

Lang lebe Nichts

So lautete der so ziemlich schönste Slogan, über den ich dieses Jahr mit den Augen gestolpert bin. Hing als mit roter Farbe bepinseltes Betttuch in einer kleinen Burgruine in Wiesbaden. Wunderbar. Und traurig zugleich. Ein Fanal vielleicht für die Achse des Blöden. Also nicht, dass ich nicht überzeugt wäre, dass auch nächstes und übernächstes Jahr ein Füllhornschwall von Blödheiten aller Monstrosität und Niederträchtigkeit auf uns niederprasseln wird, aber in letzter Zeit stelle ich fest, dass ich nach drei Jahren täglicher Archivierung doch sowetwas wie einen Ermüdungsbruch am kindlichen Humor erlitten habe. Jeden Tag das Netz und die Zeitungen nach dem neuesten Blödsinn zu untersuchen und dabei doch immer wieder nur bei denselben Gestalten, vernunftbefreiten Wirrköpfen und systematischen Wiederholungen zu landen. Darum endet die Achse des Blöden hier nicht nur für dieses Jahr, sondern - was mich angeht - wohl auch für eine längere Erholungsphase vom Weltwahnsinn.
Oder sie bekommt ein neues Format. Als rumtönerne Videowochenschau oder so. Mal sehen. Je nachdem welche Vorsätze ich mir heute nacht noch so vornehme. 

30.12.2016

Das ganze Jahr Ostern

William Salice. Ein Name wie ein Donnerhall; wenn man ein eingefleischter Ü-Ei-Aficionado ist. Oder Schokoholiker mit einem leichten Hang zu Spiel, Spaß und Spannung. Denn Signore Salice trat 1960 in die Firma des italienischen Schokikochers Ferrero, erfand dann bis 1972 den serienmäßigen Osterspaß und begründete damit unzählige, privat betriebene Setzkastenhochregallager für den unnötigsten Plastikkrimskrams und unzählige zerrüttete Ehen. Weltweit. Dabei hat er das Ü-Ei nicht erfunden, sondern einfach nur das schon zur Osterzeit sehr beliebte, gefüllte Osterei zur ganzjährigen Kinderüberraschung standardisiert. Zur Strafe musste er heute mit 83 Jahren von uns gehen. Wenn Sie also demnächst ein Ü-Ei öffnen und in der kleinen gelben Kapsel einen Miniaturgrabstein zum Selberbeschriften finden, denken Sie an William Salice. Oder an Davi Bowie, Lemmy Kilmister, Prince, Götz George oder einen der vielen anderen Bedeutungserssatz-Ikonen, die uns diese Jahr aus dem Setzkasten gefallen sind. 

29.12.2016

Abschiedsgeschenk

Natürlich hat man da schon seit längerem drauf gewartet, denn immerhin gehört das Internet ja den Amerikanern und wenn da schon jemand mit rumspioniert, Konten hackt und Emails klaut, dann doch Onkel Sam. Dass sich da auch die Russen rumtummeln, 100 Millionen Dollar von US-Banken stehlen, amerikanische Infrastruktureinrichtungen digital fisemattieren und durch Veröffentlichung von recht langweiliger Kandidaten-Korrespondenz in den Wahlkampf eingreifen, nun gut, geahnt hat man's schon länger, ab heute ist es obamahaft präsidial festgenagelt: 35 russische Digitaldiplomaten müssen das Land bis Freitag mittag verlassen, zwei Einrichtungen in New York und Maryland werden geschlossen bzw. russischen Staatsangestellten wird der Zugang in ihre Büros verwehrt, Direktoren und leitende Mitarbeiter kommen auf die persönliche Sanktionsliste - und das alles per präsidentieller Anordnung. Kann der Trump ja dann zurücknehmen, wenn er ab dem 20sten Januar das Sagen hat. Gut, er hat ja schon gesagt, dass er den Erkenntnissen der CIA und NSA diesbezüglich nicht glaubt. Warum sollte denn Putin sowas machen? Wo doch auch das russische Außenministerium schon durchblicken ließ, "neue Sanktionen seien kontraproduktiv!" Das immerhin haben sie gut erkannt. Oder aber das liegt nur daran, dass das der Zweck von Sanktionen ist. 

28.12.2016

Putinkische Dörfer

Uih, da ist ihr aber mal einer rausgerutscht. Hat doch die Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA tatsächlich eine "institutionelle Verschwörung" in Sachen systematisches Doping ausgeplaudert. Was aber so nur für ein paar Stunden im freien Äther herumschwirren und bei westlichen Sportjournalisten als kleiner Meilenstein in Sachen Flucht nach vorn gelten durfte, bevor die russische Führung wieder zurückrudern ließ. Schon um 14h06 wollte Russland von einem Eingeständnis nichts mehr wissen, die Aussagen ihrer Leiterin seien verfälscht und überhaupt zweifle der Kreml die Glaubwürdigkeit des Berichts an. Man könne die New York Times nicht als Erstquelle akzeptieren. Und wahrscheinlich ist man sich auch gar nicht mehr so sicher, ob diese Frau Anzeliowitsch bei ihrer Aussage vor den amerikanischen Journalisten nicht auch von oben bis untenrum gedopt gewesen sei. Denn eins ist ja mal völlig klar: wenn in Russland Staatsdoping betrieben werde, dann müsse es ja in allen Disziplinen nur so von russischen Weltmeistern und Olympiasiegern nur so wimmeln. Tut es aber nicht, was ja nur den Schluss zulässt, dass die anderen in der Spitze da auch alle systematisch dopen, und die dann die eigentlichen Betrüger seien. Oder so ähnlich ...

27.12.2016

Guter Plan

Wie Linus Neumann (Heißt der wirklich so?) vom Chaos Computer Club (Ist das nicht nur eine digitale Briefkastenfirma?) zum Thema Fake-News (BILD, Breitbart News, Onkel Nigels Facebook-Account) moniert (mit ernst dreinblicken und so), müssen auch im deutschen Wahlkampf (hahaha) die Politiker (Alles Neuländler) damit rechnen (Algorithmus), dass auch über sie solche Fake-News (Böhmermann, Die Anstalt, BILD) in Umlauf (asoziale Medien) gebracht werden werden. Also mit absoluter Sicherheit (deMaiziere) wahrscheinlich durch solche Hacker (Chaos Computer Club). Das wäre aber nicht das Problem (Big Data), sondern vielmehr die mangelnde Kompetenz der Bürger (alle 'ne Fünf in Mathe) um eine Quelle (Internet, BILD, Seehofer) auf ihre Seriosität (FAZ, Süddeutsche, Merkel) hin zu überprüfen. Also müssten wir alle (trotz Fünf in Mathe) "immun gegen Falschnachrichten (Facebook, Instagram, youporn) werden" und "die Fähigkeit (Mathe) entwickeln, die Wahrheit (Sokrates, Heidegger, Papst Franziskus) zu erkennen und uns unabhängig zu informieren" (Die Achse des Blöden).

26.12.2016

Never gonna dance again

Der zweite Weihnachtsfeiertag fängt gleich mit einer traurigen Nachricht für unser aller Ohren an, denn Schmusepopsänger George Micheal, der irgendwie Wind von der deutschen "Zwei Vornamen als Schlagersängernamenregel" gehört haben muss, hat es gesegnet. Das Zeitliche nämliche. Von wegen very last christmas und so. Aber jetzt mal ehrlich, in die Reihe der dieses Jahr schon verstorbenen Superstars der Musik gehört er eigentlich nicht so rein. Also nicht wegen der Musik. Drei Songs reichen nicht für die Rock'n'Roll Hall of Fame. Und doch irgendwie ... sein legendäres Topmodelvideo zum Song Freedom war das youporn der 90er, seine Toilettenbesuche waren fast so spektakulär wie die Besenkammern des Herrn Bobbele, und überhaupt das ganze Drama seines Lebens wäre die Top-Of-The-Charts-Tragödie, wenn es vor ihm nicht schon Freddy Mercury gegeben hätte. Woran er nun gestorben ist, weiß man noch nicht. Aber der islamische Staat hat sich schon mal dazu bekannt. 

25.12.2016

Geschenkgutschein

Kohle für nix? Wie der empörte deutsche Arbeiterstaatsteilnehmer bei sich denkt. Geld von der Glücksgöttin geschenkt? Wie der Arbeitslose fragt, der grad seine letzten Euros für Lottoscheine ausgibt. Nee, bedingungsloses Grundeinkommen. Yes! Zur Rettung des Sozialsystems in Finnland. Also erstmal nur testweise für 2000 Arbeitslose. Statt Arbeitslosengeld. Und die werden immerhin ausgelost. Und dann wollen wir mal sehen, ob sich die die 2000 mit ihren 560 € auf die faule Haut legen. Oder ob sie - nun von allen anderen bürokratischen Regeln und Fesseln befreit - sich darum kümmern, dass sie irgendwie noch die anderen 940€ verdienen, die man in Finnland im Winter für Zimmer, Wodka, Heizung und gelegentliche Saunabesuche so benötigt. Denn: "Wir brauchen ein vereinfachtes System der sozialen Sicherheit. Und die Leute müssen ermuntert werden, zu arbeiten oder Unternehmen zu gründen!"

Gut, das Experiment ist auch überfällig, denn in 20 Jahren werden eh alle Arbeiten von Robotern und Computern gemacht. Da kann man schon mal Alternativen antasten. Und rausfinden, welche Art von Unternehmen man mit 560€ Startkapital so gründen kann.

24.12.2016

Rohe Weihnachten

Was sich 1500 Tunesier zu Weihnachten wünschen, haben sie heute mal in einer spontanen x-mess-Demo kundgetan. Sie sind nämlich entschieden gegen die Rückführung von in der EU gefassten Djihadisten in ihr Heimatland. Auch nicht mit Glanzpapier und Schleifchen drumrum. Tunesien darf solche Extremisten nicht aufnehmen. Sagen die Demonstranten. Verschließt dem Terrorismus die Türen. Sagen die Demonstranten. Und außerdem wird Tunesien dadurch ja auch nur wieder zu einem unsicheren Herkunftsland. Sagt die Achse des Blöden. 

23.12.2016

Volk ohne Raum

Ostwärts, auserwähltes Volk. Hört man, und schon denkt man was Falsches. Denn es geht ja gar nicht um die soundsovielte polnische Teilung, sondern um die besetzten Palästinsergebiete, in denen der israelische Eigenheimlichtuer seit Jahren einen Windfang neben den anderen baut. In einer Gegend, die von vielen Anderen als das Hoheitsgebiet eines anderen Staates betrachtet wird, also als Palästina in Gründung quasi. Deswegen wurde heute auch die mittlerweile 31ste UN-Resolution in Sachen Israel/Palästina auf den Weg gebracht und siehe da, auch tatsächlich angenommen, weil die USA, die in diesem Fall sonst immer reflexartig ein Veto gegen jede Art von UN-Beschlüssen eingelegt hat, sich plötzlich mal enthält. Das stellt einen ordentlichen Bruch mit der Tradition dar, die jeweils von den anderen Blöcken unterstützten Resolutionen kategorisch mit einem Veto zu belegen. Die nun aufgetretene plötzliche Beschlussfähigkeit des UN-Sicherheitsrats verwirrt nun nicht nur die israelische Regierung, sondern auch die vieler anderer Länder, die sich bisher auf das Veto der einen oder anderen Seite verlassen konnten. Wenn das Schule macht, werden schon bald noch ein paar andere Regierungen ziemlich dumm da stehen. Da hilft nur noch eins: Lernen von den Emiraten. Die haben doch gezeigt, dass man neues Land auch prima ins Meer bauen kann. 

22.12.2016

Malm

Um auch mal ein bisschen Cross-Promotion für mein wirklich über alle Maßen unterhaltsames und den Wortspielwahn anregendes Lexikon Lassie Linguae namens "Das BRAXEL" zu machen: ein Ikealist ist ein Mensch, der glaubt, alle Teile seien vorhanden und am Ende wird sich das Ganze auch sinnvoll und stabil zusammenfügen lassen. Dann sollte man es aber immer noch an der Wand verankern, zumindest wenn es sich um eine von 37 Millionen Kommoden der Serie Malm handelt, die der schwedische Holzschlachter nun zurückgerufen hat. Warum? Weil da ein paar Pressspanpiloten in den USA mal wieder zu dumm waren um ihr Möbel kindersicher aufzustellen und in Folge dessen drei kletternde Kleinkinder von Malm zermalmt wurden. Um die Ausgangsbasis für weitere Brutversuche der betroffenen Elternpaare zu verbessern, zahlt Ikea nun jeweils 16 Millionen Euro Schadensersatz pro Zwerg. Außerdem zahlt der Köttbullarköchel noch je 100.000 Dollar an ein Kinderkrankenhaus für Quetschopfer und an eine Stiftung, die sich für die Sicherheit von Kindern einsetzt. Dort sollte dann in Kursen den statisch ungeschulten Elternpersonal beigebracht werden, wie man auf seine Minikletterer richtig aufpasst.

21.12.2016

Lange durchgehalten

Die Geldverweser der ältesten noch existierenden Bank der Welt, der Monte Dei Paschi Di Siena, hatten dann doch seit 1472 Zeit um das Bankgeschäft zu erforschen, einzuüben und erfolgreich zu Ende zu bringen. Jetzt aber sieht es so aus, als seien die Italiener mit ihrem Latein am Ende und spielen jetzt die seit 2008 erprobte Karte "too big to fail", oder sagen wir in diesem Fall mal "too old to die". So sieht das auch deren Regierung, die mal per Gesetz schlappe 20 Milliarden für einen eigenen rein italienischen Rettungsschirm erlassen hat, damit Monte Dei Paschi auch im nächsten Jahr noch die älteste Beutelschneiderei sein kann. Dumm nur, dass sich die Gesamtschulden der Bank auf knapp 45 Milliarden belaufen, die aller italienischen Banken auf etwa 360 Mrd. Euro. Da wird das eine kleine Spontangesetz nun auch nicht mehr viel bewirken.

20.12.2016

Wenig Effekt

Die internationalen Anschlagsmeisterschaften scheinen in den letzten 24 Stunden in ihre entscheidende Phase eingetreten zu sein. In Berlin rollt ein religiös Verwirrter mit einem LKW durch den Weihnachtsmarkt im Schatten der Gedächtniskirche, erwischt aber trotz aller Mühen kaum mehr als ein Dutzend Glühweinfreunde, denn der heidnische Alkoholiker ist im allgemein auch noch nach dem sechsten Becher in der Lage einem Fahrzeug auszuweichen. Sonst käme ja auch in Berlin so gut wie niemand mehr unbeschadet über die Chaussee. Ein bisserl mehr mit Florett statt mit dem Vorschlaghammer ist ein Polizist in Ankara vorgegangen, der bei einer Ausstellungseröffnung den russischen Botschafter in der Türkei mit ein paar gezielten Schüssen davor bewahrt hat, sich vor versammelter Mannschaft mit seinen Kunstkenntnissen zu blamieren. Damit sich der Schütze selbst nicht auch mit einem irrsinnig daherfabulierten Geständnis blamieren musste, wurde er kurzerhand ebenfalls ins Jenseits entsorgt. In Zürich hingegen hat der Attentäter nach dem Überfall auf ein islamisches Zentrum die Schande nicht ertragen, als einzig Bewaffneter nicht mehr als drei alte Männer anschießen zu können, und hat sich daraufhin selbst gerichtet, und zwar völlig hin. Und - auch wenn das jetzt eine sehr frühe Beurteilung dieser drei Taten ist - nach ungenauer Prüfung der Fälle muss man sagen: es mal wieder nix gebracht! Nullkommanix! Die Welt rotiert mit der ihr eigenen Gelassenheit weiter vor sich hin. 

19.12.2016

Stark sein du musst jetzt!

Was man in Großbritannien auch mal braucht: eine Wohlfahrtskommission, die den Anhängern des Jediismus nochmal von höchster staatlicher Stelle erklärt, dass ihr im Auftrag von Georgs Lukas aus Autorengehirnen ausgewrungener Jedi-Ritter-Glaube eben keine echte Religion ist, sondern nur ein herrlicher Quatsch aus einer Science-Fiction-Saga, deren einzig göttliches Phänomen darin besteht, dass man die Neun Testamente anders zählt; nämlich 4 5 6, 1 2 3, 7 8 9! 

Das ist natürlich eine große Enttäuschung für die knapp 177000 Menschen im Austretenden Königreich, die bei der letzten Volkszählung "Jedi" als ihren Glauben angaben. Ihr "Tempel des Ordens der Jedi" kann also keine Gemeinnützigkeit zugesprochen werden, denn "der Jediismus fördere keinen moralischen oder ethischen Fortschritt."
Und ganz ehrlich, wenn man in der Star Wars Saga mal sieht, wie die Jedi-Ritter da ständig der dunklen Seite der Macht anheim fallen, dann kann von ethischen oder moralischen Fortschritt überhaupt keine Rede sein. Nicht mal, wenn man ein echtes Lichtschwert sein eigen nennt. Nichtmal, wenn einen schweren Grammatikfehler du hast!

18.12.2016

Leugnen hilft!

Bämm! Nimm das, Weihnachtsmann! "Es gilt nach Mitteilung der türkischen Schulleitung eben, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und über das christliche Fest im Unterricht mitgeteilt, erarbeitet sowie gesungen wird!" Mit dieser Email machte die Leitung der deutschen Abteilung am Lisesi-Gymnasium darauf aufmerksam, dass man grade im Augenblick keinerlei religiöse Verwirrung seiner Schüler wünsche. Da freut sich doch mein kleines Atheistenherz, denn vor allem das Gesinge kann einem doch ganz schön auf den Keks gehen. Alles Verständnis dafür, Jungs, vor allem wenn da so stimmbrüchige Halbwüchsige mit ihren Kreissägenorganen Tannenbäume und Klangglöckchen besingen. Aber, es muss natürlich gleiches Recht für alle gelten. Grade wo Hanukka diese Jahr auch auf Weihnachten fällt. Kommt, Ihr Erdogangster, dann fällt Euch doch sicher auch noch was zu ein. Zumindest ein kleines Dementi darf man doch in diesen postfaktischen Zeiten von Euch noch erwarten. Und zack! Da ist es auch schon. Die vorliegenden Email hat es nie gegeben. Fall erledigt.

17.12.2016

Embedded Journalism

Man muss ja auch mal zugeben, dass das Regierungsgeschäft auch nicht immer so leicht ist. Da bereitet man monatelang irgendwelche neuen, lustigen Gesetze vor, und dann berichten diese Medien immer über das ganze entweder halbgare oder ganz und gar durchdachte Gewäsch im Parlament. Das nervt doch ungemein beim Durchregieren. Denkt sich auch die polnische Regierung und macht mal ein neues, lustiges Gesetz, das die Anzahl der für die Sejm zugelassenen Journalisten deutlich beschränkt (wir ahnen auf wen!) und den Medien keine eigenen Ton- und Videoaufnahmen im Parlamentsgebäude gestattet. Also ungefähr so wie die Kriegsberichterstattung unter Kontrolle der amerikanischen Armee. Journalisten im polnischen Parlament werden dann jeweils von drei Sicherheitsexperten begleitet, die den Schreiberlingen im Notfalls Augen und Ohren zuhalten. Der dritte hält dann den Oppositionspolitiker davon ab, dem verwirrten Hofkorrespondenten zu Hilfe zu kommen. Am Ausgang bekommt dann der abgeführte Schreibtischtäter seinen vollständigen Artikel zur Veröffentlichung überreicht. Fertig! Oder nein, nicht mit den freiheitsliebenden polnischen Journalisten. Denn ab 4 Uhr 45 wird zurückgeschrieben. 

16.12.2016

Postfaktisch

Jaja, Wort des Jahres und so, is klar. Soll heißen: wenn Fakten gepostet werden, oder so ähnlich. Aber: Fuck the fake news. Irgendwie muss doch dem ganzen Dahererfinden und Verbreiten von Lügen, Falschaussagen und üblicher Nachrede mit einem angepassten Gesetz beizukommen sein. Sind sich auch so Spitzenpolitiker wie Kader, Oppermann und Maas mittlerweile einig. Hauptziel des neuen Gesetzes sollen die asozialen Medien werden. Die sollen gezwungen werden, sogenannte Rechtsschutzstellen einrichten, bei denen von Falschmeldungen betroffene Personen ihre Unschuld beweisen können. Dann muss der Plattformbetreiber den entsprechenden Post löschen. Das soll vor allem die Verbreitung von Hassbotschaften und die Beleidigung pickeliger Mobbingopfer untereinander verhindern. So weit, so seltsam.
Kleiner Nebeneffekt des für Frühjahr geplanten Gesetzes: die meisten Posts der Achse des Blöden werden dann wohl innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden müssen, denn ich habe keinen Zweifel, dass so ziemlich alle Vertreter der ehrenwerten Gesellschaft, die mir hier völlig unschuldig vor die Tastatur laufen, ihre Unschuld auch in Tagesfrist beweisen können. Muss ja so sein, sonst säßen ja viel mehr Leute hinter schwedischen Gardinen. Oder wenigstens in der Ausnüchterungszelle.

15.12.2016

Befreit

Man kennt ja viele Leute mit Stock im Arsch, aber wenn es um einen Arsch im Stock geht, kann grade heute nur Erbpräsident Assad gemeint sein. Der hat nämlich erklärt, das seit Jahren umkämpfte Aleppo sei nun "befreit"! Und wahrscheinlich muss man dem Mann tatsächlich recht geben, wenn man nur die richtige Perspektive wählt. So ist Aleppo zum Beispiel zum großen Teil von Architektur befreit. Stimmt. Weitestgehend von Einwohnern befreit. Stimmt. Und von Hoffnung auf eine bessere Zeit befreit. Stimmt. Und zunächst erstmal von seiner Rolle als Bombentestgelände befreit. Stimmt ... vielleicht! Könnte auch sein, dass Russen und Staatssyrer noch solange weiter machen, bis Aleppo nur noch für zukünftige Archäologen interessant ist. Wenn die in ein paar hundert Jahren mal nachgraben, wie so eine Befreiung zu Beginn des Milleniums mal ausgesehen hat.

14.12.2016

Krähenaugenhackerei

Wie immer, wenn mal die oberen Zehntausend wirklich aneinandergeraten, weil einer mal gegen das unausgesprochene Gesetz verstoßen hat, nachdem man nunmal der anderen Krähe nicht die Augen aushackt, dann endet selbst das auffälligste Gerichtsverfahren plötzlich und unerwartet in einem Friede-Freude-Eierkuchen-Deal, auch bekannt als außergerichtliche Einigung. So auch bei den Krähen Sal Oppenheim (Deutsche Bank Tochter) und Vermögensverweser Josef Esch einerseits und der KarstadtQuelle Vorzeigekrähe Madeleine Schickedanz andererseits. Die hatte im Wettbewerb der Gierigen rund um die Insolvenz außerplanmäßig den kürzeren gezogen, und der kürzere war in diesem Fall der Herr Esch. Der sollte wohl eigentlich im Interesse von Frau Schickedanz arbeiten, tat aber eher das Gegenteil und nutzte - das ist ja mal die ganz grobe Verkürzung der Geschehnisse - sein Insiderwissen zu undurchsichtigen Spekulationsgeschäften, die letztlich dazu führten, dass Frau Schickedanz von ihrem einst auf 1,9 Milliarden geschätzten Vermögen nur ein paar Euros übrigblieben. Und so bekämpften sich die beiden Krähen seit 2009, beschuldigen sich gegenseitig der gröbsten Finanzstraftaten und beenden das Hauen und Stechen nun ohne richterlichen Spruch. Und wie immer: jetzt werden wieder hunderte Millionen Schadenersatz durch die Gegend geschoben, aber im Knast landet mal wieder keiner. Dafür muss man in Deutschland schon als schwerkriminielle Supermarktkassiererin irgendwelche Getränkebons im Wert von drei Euro Quetsch unterschlagen.

13.12.2016

Im griechischen Stil

Also nicht etwa wie das Griechenland der Neuzeit, sondern eher so wie zu den Zeiten der allerersten Anfänge der Demokratie, als politische Ämter unter einem kleinen Kreis Wohlhabender die Posten verlost wurden, so oder so ähnlich geht auch der designierte Trump bei der Besetzung seines persönlichen Kabinetts vor. Heute: Rex Tillerson, der bisherige Vorstandsmilliardär des Verbrennungsenergiekonzerns ExxonMobil und schon vom Vornamen her für hohe Positionen geeignet, wird Außenminister, oder - was wahrscheinlicher ist: Minister des Äußersten. So wie auch schon andere Kanditaten aus Trumps Milliardärsklub handelt es sich bei Tillerson um jemand, der bisher keinerlei diplomatische Erfahrungen aufzuweisen hat, wenn man mal von den stets dezenten, völkerfreundlichen und immer auf das Allgemeingut bedachten Geschäften absieht, die dieser T. Rex der Energiewirtschaft in den letzen Jahren eingetütet hat. Immerhin: der neue im Außenministerium steht gut mit Putin. Sagt man. Angeblich wegen irgendwelcher Ölgeschäfte. Sagt man auch. Also wenn man es mal genau nimmt: irgendwelche Interessen im Bereich fossiler Energie, die die Außenpolitik unserer amerikanischen in den letzen 30 Jahren auch immer mitbestimmt haben. Ja, dann passt es ja wieder ... 

12.12.2016

Ein China

Ich stehe kurz vor der Versuchung, das nächste Jahr der Achse des Blöden in eine Sonderausgabe zu verwandeln, die sich ausschließlich mit dem trumpigsten aller Donalds himself beschäftigt, der in seiner Donaldigkeit tatsächlich keinen einzigen Tag auslässt, um in dem Spielfilm, der in seinem Kopf unter dem Titel "Ich, Donald, der Versteher der Welt!" abläuft, eine Pointe nach der anderen rauszuhauen, das einem nur noch so ein innerer Bud-Spencer-Gedächtnis-Tanz ist. Dialoge, für die der unsterbliche Dichter Bud sein kon-ungeniales Klatschpuppengesicht Terence Hill benötigte, haut der Donald einfach nur mal so zwischen den Zeilen als Monolog raus. Zum Beispiel, dass man ja auch Taiwan wieder als eigenständiges China unter den diversen Chinas anerkennen könne, falls sich das andere Eine China in punkto Handels-, Währungs- und Außenpolitik nicht dem wohndurchdachten und von hunderten Donaldisten klug ausgeschwurbelten Erpressungsversuchen beugen möchte. Schlecht gebrüllt, Löwe. Finden auch die Chinesen. Und starten gleich eine Gegenerpressung. "China könne sich den Kräften zuwenden, die den USA feindlich gesonnen seien." Welche das jetzt nun wieder sein sollen, verraten die Chinesen aber nicht ...  

11.12.2016

Trennschärfe

"Diese Taten stärken die Liebe und die Beziehungen zwischen den Muslimen und den Christen." betont der Großmufti von Ägypten, Shawki Allam. Wie diese Taten das jetzt genau tun, das hat Herr Allam aber nach dem Sprengstoffattentat auf einen Gottesdienst in Kairos größter koptischer Kathedrale St.Peter und Paul leider nicht verraten. Ist vielleicht auch besser so, sonst kommen noch mehr Verliebte auf die Idee, dass sei das richtige Mittel, um Liebe und Beziehung zu stärken.
Noch wundersamer aber ist ein Nebensatz in der Nachricht: die Bombe traf hauptsächlich Frauen, denn "die Explosion war auf der Seite, wo die Frauen sitzen." Ah, ok, diese Art von Christentum also, so mit sauberer Trennlinie und Mittelgang zwischen den Geschlechtern. Denn wie Jesus ja schon deutlich und mehrfach erklärt hat, glauben Männer und Frauen irgendwie anderes an ihn. Nicht so krass, wie Balzac mal sagte ("Ich weiß nicht, warum man Frauen in Kirchen lässt. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was sie mit Gott zu besprechen hätten!"), aber doch schon irgendwie anders. Und wenn es nur auf der Seite ist, auf der die Bombe hochgeht.

10.12.2016

Robin-Hood-Steuer

Verlorene Fußballweltmeisterschaft, seltsames Olympia, peinliche Feudalgesellschaft - tja, im brasilianischen Bundesstaat Rio sind die Kassen leer. Das ist Ebbe. Tabula Rasa. Nix mehr zu machen. Keine Kohle mehr da, zum Beispiel für Polizei, Busfahrer und Edelnutten. Deswegen müssen unbedingt neue Touristen bei. Die sind aber leicht abgeschreckt durch die vielen schlechten Nachrichten der letzten Monate: Abteilung Straßenraub und Messerstecherei! 
Deswegen kommt auch der neugewählte Bürgermeister Marcelo Crivella jetzt auf die revolutionäre Idee, auf alle Flugtickets von Touristen, die in der Stadt landen, könnten eine Art Schutzgeld einkassiert werden, damit man dann aus diesem Topf alle Touris entschädigen kann, die während ihres Aufenthalts in Rio mangels Polizei und in nichtfahrenden Bussen überfallen und ausgeraubt worden sind. An sich eine Topidee, nur darf man das so nicht rausposaunen, wenn man nicht eine neue Spirale der Gewalt anfachen will. Crivella sollte sich da an deutschen Urlaubsorten orientieren und es einfach Kurtaxe nennen.

09.12.2016
Das große vaterländische Wettrennen
Also nicht dass es da noch vieler weiterer Beweise bedurft hätte, dass Freund Putin seine goldene Rolex alle paar Monate ein Jahr auf UdSSR und Kalten Krieg zurückdreht, aber die Zahlen an sich sind dann immer schon noch mal einen kleinen Seitenhieb wert. Wie der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur vorrechnet, sind mehr als 1000 russische Olympioniken und Kunstsportler zwischen den Sommerspielen 2012 in London und den Winterspielen 2014 im heimischen Sotschi mit illegalen Substanzen angetreten, selbstverständlich zu Ruhm und Ehre des großen russischen Vaterlandes. Und ja, natürlich muss eine solche "institutionelle Verschwörung" auch irgendwie koordiniert und abgeleitet werden, sonst ist das ja Chaos. Und wenn man eh da so ein Sportministerium nutzlos in der Ecke rumstehen hat, das sowieso schon vom Inlandsgeheimdienst überwacht werden muss, dann kann man da auch nochmal wieder ein bisschen Zuch in die Sache bringen, sowie in den Siebzigern, als noch Valery Borsov den blöden Amis aus hundert Meter weggelaufen ist! Und aus der heimischen RUSADA macht man einfach eine Anti-Anti-Doping-Agentur. Und in deren Anti-Anti-Doping-Kontrolllabor macht man mal kleine Mauselöcher in die Wand, damit man aus dahinterliegende Geheimgängen Flakons mit bereits gesäuberten Urin durchreichen kann. Wie in einem schlechten Spielfilm aus den Sechzigern. Nur ohne James Bond.

08.12.2016

Gelbe Wirtschaft

Das Lächeln, dass der chinesische Kaufmann dem Ausländer zeigt, ist vielleicht ernst gemeint, aber bleibt doch letztlich das Grinsen einer Marionette, die an den Fäden des Zentralkomitees hängt. Das müssen jetzt auch wieder mal all die Konzerne aus Europa und Amerika lernen, denen die chinesische Regierung mal locker und entspannt die Ausfuhr ihrer Gewinne untersagt. Na gut, nicht ganz, schlappe fünf Millionen Dollar dürfen zukünftig pro Jahr als Dividende auf Kapitalkonten transferiert werden, was - um mal einen deutschen Klassiker an Dummheit zu zitieren - einem zehntel Peanuts entspricht. Also fast nichts. Denn das ZK hat nochmal im Kommunistischen Manifest vom guten alten Marx nachgelesen und festgestellt, dass es garnicht mal so gut ist, wenn das ganze in der Welt mit billigem Plastik- und Elektronikmüll verdiente Geld durch den Kauf von teurem Plastik- und Elektronikmüll von ausländischen Firmen wieder in die anderen Länder zurückfließt. Und wie immer, wenn etwas nicht sein kann, das nicht sein darf, braucht es als erstes ein gutes altes Verbot. Ist immer die beste aller möglichen Ideen ...

07.12.2016

Lira Warum Müffelstil

Tja, auch der schönste Sultan macht noch keinen Wirtschaftsaufschwung. Unter dem Eindruck seiner Selbstherrlichkeit schwindet die Kraft der türkischen Lira und vor dem Hintergrund von schleichender Rezession und der nicht ganz so schleichendem Stellenabbau wünscht sich Papa Staat, dass seine Schützlinge keine Devisen mehr horten. Gut, dass es nicht so schlau ist, Ein-Dollar-Noten mit sich rumzutragen, hat sich auch bei normalen Touristen unter den Türken rumgesprochen. Seit durch den Putsch und die nachfolgenden Säuberungen aufgeflogen ist, dass sich die Anhänger der Fatullah-Bewegung an Dollarscheinen mit einer F-Seriennummer erkennen, hat so manchen hektisch seine Matratze aufgeschnitten, und sämtliche grüne Einer zerschnitten, verbrannt und an anonymen Orten verklappt. Dann hat der Erdoganator aber gleich richtig auf den Tisch gehauen und verlangt nun, dass alle Dollarnoten und auch anderen Devisen rasch in Lira umgetauscht werden - zur Stützung der heimischen Währung versteht sich. Seitdem mangelt es nicht an urkomischen Angeboten von allerlei Händlern und Dienstleistern, die Rabatte oder gar Freischüsse gewähren, wenn ihre Kunden den Umtausch von Dollar in Lira per Quittung belegen können. Und tatsächlich, schon bad hatte der Großartigste aller Großartigen die 78 Millionen zusammen, die er für sein neuen Privatpräsidentenflugzeug auf den Tisch blättern musste - in Dollar! Au, wie das müffelt ...

06.12.2016

Würfelgeschick

Mal so mal so. Denkt sich auch das athenische Berufungsgericht, und beruft sich wahrscheinlich auf schöne alte Sprichwörter mit Gotteshänden und Hochseegefühlen. Denn von acht nach dem gescheiterten Putschversuch aus ihrer Heimat geflohenen türkischen Offizieren, die in Griechenland um Asyl gebeten haben, werden drei nicht in die Türkei ausgeliefert (Spruch von gestern), drei weitere sehrwohl in die rachelüsternen Hände der türkischen Restjustiz überführt (Spruch von heute) und die übrigen zwei dann am Donnerstag von wiederum anderen Richtern aus demselben Gericht beschicksalt. Und das ist schon die Berufung. Da freut sich doch der präzendenzfallgeschulte Jurastudent jetzt schon auf die Begründung der Urteile aus berufenem Munde. 

05.12.2016

Schutz vor der Jugend

Lustig. Für die wirklich nun völlig harmlose Kriminalserie Numbers von Ridley Scott, in der ein ungleiches Brüderpaar aus Bulle und Mathegenie gemeinsam Fälle mit Hilfe fantastischer Mathematik lösen, verlangt mein sky-decoder die Eingabe des vierstelligen Jugendschutzpins. Entbehrt auf den ersten Blick jeder Logik. Dann aber, wenn man mal überlegt, wieviel Unfug diese Minderjährigen mit Hilfe der Mathematik und einem gewöhnlichen Computer anstellen können, dann macht es vielleicht durchaus Sinn, dass man sie nicht auch noch durch diese pornös inszenierte Allmacht von Algorithmen zusätzlich auf den Geschmack bringt. 

04.12.2016

Jein

Grad wo zur Zeit lauter Artikel zum Thema Wählermanipulation durch Fake News und Digital Targeting bei den landesweiten Intelligenztests in USA und GB durchs Netz kursieren, stehen mal wieder wichtige Wahlen und Referenden an. Österreich zum Beispiel versucht zum wiederholten Mal in diesem Jahr einen Oberösterreicher zu wählen, und siehe da, es klappt: mit 53 zu 47 obsiegt der halbgreise Van der Bellen gegen das größere Übel, einen Herrn Hofer, dem hie und da auch mal postfaktische Lebensweisheiten aus den Gebissleisten direkt in die asozialen Medien poltern. Und in Italien versucht tatsächlich mal ein Ministerpräsident die Demokratiesoße a la Italiana neu zu erfinden, in dem er mit einer Verfassungsreform die Entscheidungswege zu verschlanken wünscht. Also nicht so, wie Erdogan in der Türkei die Entscheidungswege verschlankt, sondern mehr so halbwegs durch Verteilung kleinerer Tischtennisschläger an den Senat, damit das ewige Si-No-Pingpong der italienischen Politik wenigstens in kürzeren Ballwechseln vor sich geht. Tja, schöner Gedanke, den aber nur eine Minderheit der Azurris so nachvollziehen wollten und deswegen mit Nein stimmten. Was vielleicht daran liegt, dass man als unbeliebter Politiker den Wählern nicht sagen sollte, dass man seinen Rücktritt im Falle eines Neins vorziehen würde. Da ist die Verlockung doch zu groß.

03.12.2016

Fahrzeugpapiere Du hast und Schein für Führer?

Das Bundesrechtschreibungsamt hat große Probleme geeigneten Nachwuchs zu finden. Selbst auf Buchstabierwettbewerben und Poetry Slams finden sich nicht genügend Kandidaten, die einem einfachen Deutschtest nicht bestehen. Ach nein, sorry, mein Fehler, das war ja das Bundeskriminalamt. Von 317 zu besetzenden Stellen sollten 120 mit Kommissaranwärtern gefüllt werden, doch nur 62 Anwärter rissen die Hürde nicht. Und um das mal in einen Pisa-mäßigen Gesamtkontext zu stellen. Bevor man diesen Deutschtest beim BKA überhaupt versuchen darf, muss man vorher sein Abitur bestanden haben.

Was bitte? Wie jetzt genau? Abitur ja, Deutschtest nein? Auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter André Schulz ist entsetzt: fast die Hälfte der Bewerber sind - auf den Gag arbeite ich schon die ganze Zeit hin - dümmer als die Polizei erlaubt! "Die Hürden bei der Aufnahmeprüfung zur Polizei wurden schon in den vergangenen Jahren gesenkt: sei es bei Mindestalter, Mindestgröße oder Mindestbeweglichkeit (Sporttest), wenn nun auch noch der Deutschtest reduziert wird, muss man sich schon fragen, was mit unserem Bildungssystem nicht in Ordnung ist!" sagt Schulz.

Gut, für die mindestgroße kann jetzt das Bildungssystem nichts, am Eintrittsalter wird dank G8 schon gearbeitet und Sport gab es schon zu meiner Schulzeit zu wenig. Trotzdem will das Bundesministerium des Inneren an de Tests festhalten. Allerdings sollen die Anforderungen nächstes Jahr modernisiert werden. Modernisiert! Aha. Das hört sich irgendwie nach Google-Übersetzer an.

02.12.2016

Pirateninsel

Eine gar nicht mal so unlustige "Jeder darf mal"-Regelung im isländischen Wahlrecht gibt jetzt nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen der drittgrößten Partei der Insel das Recht, sich mal an der Regierungsbildung zu versuchen. So dürfen jetzt nach den Konservativen und den Links-Grünen auch mal die Piraten mit ihrer Führungsfrau Birgitta Jonsdottir an irgendeinem mehrheitsfähigen Parteiencocktail versuchen. Und Frau Jonsdottir hat auch schon eine Idee, welche vier anderen Parteien sie da mit ihrem Haufen zusammenklabursteln will. Links-Grüne, Sozialdemokraten, Vidreisner und Brightfuturisten sind also die nächsten Gesprächspartner betreffs der Neuordnung der Fischerei und dem Verhältnis zur EU. Als erstes muss sie mal rausfinden, was die andere Parteien eigentlich in ihren Parteiprogrammen stehen haben. Und ob sie überhaupt eins haben. Denn nachdem die Wahl nach dem Rücktritt der letzten Regierung wegen aktiven Panama-Papiertigertums kurzfristig angesetzt wurden, hatten gerade die jüngst gegründeten Parteien kaum Zeit, irgendwie Expertise vorzutäuschen. Aber egal, wenn die Amis so ein Scheiß zusammenwählen dürfen, dann dürfen das die Isländer erst Recht. Denn hier ist das wenigstens basisdemokratisch.

01.12.2016

Verursacherprinzip

Panama? Da war doch was? Nach dem großen Enthüllungsknall im April hat sich auch dieses Thema wieder vom Bildschirm geschlichen. Aber nicht nur Bundesfinanzjongleur Rolli Schäuble arbeitet im Hintergrund an der endgültigen Vernichtung von Briefkästen, auch in vielen anderen beliebten Steuerhinterziehungsländern wie Neu-Seeland, Irland und der Mongolei, ja sogar im Libanon arbeitet man fieberhaft an irgendwelchen neuen Gesetzen, die irgendwelche alte Gesetze übertrumpfen sollen. Was Schäuble in seinem Gesetzentwurf allerdings allen anderen voraus hat: in Deutschland sollen demnächst auch die Banken für die Steuerverluste haften, wenn sie die Steuersparmodelle an ihre Kunden weitervermittelt haben. Na, da werden zu den jetzt schon 6000 offenen Steuerverkürzungsuntersuchungsverfahren bei der Deutschen Bank noch ein paar hinzu kommen. Zum Glück betrifft das die meistens von uns ja nicht. 

Immerhin: zum Trost für den einfachen Sparer wurde heute die Deutsche Genossenschaftsidee in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Und spätestens beim Wort immateriell wird sogar der normale Volksbanker so ein klein bissi nervös.

 

November

30.11.2016

Queraussteiger

Weil in der Bank Umstrukturierungsmaßnahmen griffen und er eh was neues probieren wollte, hat sich ein gewisser Herr M. beim Bundesamt für Verfassungsschutz einstellen lassen. Da sucht man nämlich grade händeringend nach arabisch getarnten und fließend sprechenden Mitarbeitern zur Überwachung der heimischen Salafisten-Szene. Kaum eingearbeitet hat sich Herr M. aber in seiner Nachwuchsagentenbirne mal gedacht, er könne ja eigentlich auch mal den Spieß umdrehen und das BfV an die Islamisten verraten. Blöd nur, dass er keinen persönlich kannte, weswegen er seine Dienste mal übers Internet einem Chatpartner angeboten hat. Das aber nur sehr kurz, denn selbst ein so leicht schwächender Geheimdienst wie der unsere, merkt, wenn jemand etwas nicht verheimlicht. Vor allem wenn der Chatpartner selber Mitarbeiter des Geheimdiensts ist. Denn, das ist ja klar wie Klopfsaft, nur Geheimdienste können Geheimdienste überwachen.
Nach dem Herr M. also festgesetzt war, fing er auch schon gleich brav das Plappern an. Er hätte nämlich die Eingebung von Allah erhalten, dass er nicht verrückt sei. Außerdem habe Allah gewollt, dass er Informationen aus dem Geheimamt an die Szene weitergäbe. Es gäbe nämlich auch einen großen Plan zu Unterwanderung des BfV. Er sei ja nur ein Teil des Räderwerks und außerdem - Widerstand zwecklos - Allah persönlich habe sich diesen Plan ausgedacht, weswegen er auf jeden Fall gelingen werde. Bestimmt. Gleich, wenn er wieder aus dem Gefängnis kommt, werde er nach Syrien auswandern und den Geheimdienst von dort aus zu Fall bringen. Bestimmt.

29.11.2016

Dicke Lippe

Ja, auch das marokkanische Staatsfernsehen hat einen Bildungsauftrag. Wenn ma so ohne Alkohol und Skrupel in der Redaktionssitzung rumsitzt, und endlich mal was Praktisches für die Frauen im Land tun will, dann kommt man vielleicht auch auf so eine Idee: Komm, wir machen mal ne Sendung, in der eine unserer gut ausgebildeten Maskenbildnerinnen den Frauen zuhause mal zeigt, wie man Gesichtsprellungen und Blaue Flecken nach Diskussionen mit dem Familienvorstand am besten überschminken kann.

Das Auge leicht zugeschwollen? Kein Problem, einfach mit Mastix auch das andere Auge nachjustieren und schon hat man den schönsten Schlafzimmerblick. Peitschenstriemen auf dem unteren Rücken? Nichts was die beste Freundin nicht mit ein paar gekonnten Verzierungen mit einem roten Konturenstift in die Illusion einer hübschen Spitzenunterwäsche verwandeln kann. Nase angebrochen? Malen Sie sich mit schwarzem Kajal ein Arschloch auf die Wange, schon guckt keiner mehr nach ihrer Nase. Und wenn jemand fragt, dann einfach sagen: Das ist ein Protrait von meinem Mann.

Und wenn das alles nicht mehr hilft, dann Burka! Oder was? 

28.11.2017

Heuchler & Keck

So oder so ähnlich heißt die schwäbische Kleinwaffenschmiede, die ab jetzt - wie sie heute verlauten ließ - ihre Waffen statt gelegentlich auch mal an Diktatoren nurmehr an "gefestigte Demokratien" verkaufen will. Also nicht, weil es ihnen wegen Jahrzehnte blendender Geschäfte sowieso gut geht oder weil auch die Bundesregierung ihnen in Zukunft wieder mehr auf die Finger gucken will, nöö, sondern einfach nur so aus überlegenen moralischen Überlegungen heraus. Mexiko scheint nicht zu den gefestigten Volksverarschungen zu gehören, denn nächstes Jahr müssen ein paar Manager von Heckler & Koch vor Gericht erscheinen, weil sie zuviel G3s an die Latinos verkauft haben ohne das Kriegswaffenkontrollgesetz durch die üblichen Mechanismen auszuhebeln. Damit das bei der Vorzeigedemokratur Saudi-Arabien nicht auch eines Tages zum Problem wird, haben die Schwaben den Öliadären gleich eine ganze Fabrik zum Lizenzbau des in Verruf geratenen Sturmgewehrs G36 in den Sand gesetzt. Also das, was sich angeblich bei großer Hitze leicht verzieht. Gebilligt wurde das 2008 von der Kroko, wahrscheinlich im Rahmen des Maßnahmenkatalogs gegen die drohende Weltwirtschaftskrise. Und weil wir es besser finden, dass wenn die Waffen schon auf Umwegen bei islamistischen Extremisten landen, sie wenigstens ein klein bisschen daneben schießen. So oder so ähnlich.

27.11.2016

Tschüss Wohlfahrtsstaat

Kostenlose Bildung, Jobgarantie, das Anrecht auf eine eigene Wohnung und freien Zugang zu Krankenhäusern - in eExtremfällen sogar für Frauen. So sahen die fünf goldenen Jahrzehnte im Emirat Kuwait aus. Ja, es gab sogar Wahlen zu so etwas ähnlichem wie einem Parlament, dass der regierenden Emir-Familie hie und da ins Handwerk pfuschen durfte. Also in Maßen, versteht sich. Und warum auch? Wenn man auf den sechstgrößten Ölreserven der Welt sitzt und im Zweifel von seinen westlichen Freunden vor benachbarten Hitlern geschützt wird, dann gibt es gar nicht so viel zu regieren, wie man hierzulande glaubt. So ein schwerreicher Zwergstaat ist ja nicht die DDR.

Im Oktober dann bröckelte es dann deutlich im Staatsetat. Acht Jahre gefallene Ölpreise machen dem kleinen Sandhaufen zu schaffen. Zum ersten Mal seit den Kriegsfolgekosten gab es wieder ein Haushaltsdefizit. Daraufhin kürzte das Parlament - dafür ist es dann gut genug - die Subventionen für die Einwohner. "Das Parlament hat für höhere Benzinpreise und Steuern gestimmt. Das sind Entscheidungen, die der Bevölkerung schaden - uns und unseren Kindern!" beschwert sich das Volk. Und wählt ein neues Parlament. Und trara - Überraschung - heute sind mindestens 20 von 50 Sitzen im Parlament an Oppositionelle gefallen. Wobei "Oppositionelle" eine sehr gewagter Begriff ist in einem Land, in dem es keine Parteien gibt und man eigentlich nie genau weiß, wer jetzt welchem Lager zuzurechnen ist. Mal schauen, wie lange sich der Emir die Demokratiespielchen seiner Bevölkerung anschaut.

26.11.2016

Wachtraumhaft

Ist ja äußerst selten, dass so ein Fußballtrainer mal was sagt, über das man auch außerhalb der Sportschau mal nachdenken kann. Aber dieser einer Satz vom Chefcoach der Frankfurter Eintracht, die sich spätestens seit heute in schwindelerregenden, weil völlig ungewohnten Höhen der Tabelle bewegt, den sollte man sich von innen an die Wohnungstür nageln:
"Wer nicht träumt, der verschläft sein Leben!
Über die vielen Auslegungsmöglichkeiten dieses Satzes könnte man eine lebensphilosophische Abhandlung schreiben. Vor allem über die Korrelation von Schlafen, Wachsein und Träumen, speziell Tagträumerei. Und damit kenn ich mich mit schlafwandlerischer Sicherheit aus. Und auch mit den Widersprüchen, die damit einhergehen. Denn wie sagte Niko Kovac dann noch nach dem Sieg gegen den mit dem vierfachen Etat ausgestatteten und gewohnheitsmäßigen Champions-League-Teilnehmer BVB: "Die anderen dürfen gerne träumen, aber ich werde nicht träumen!"

25.11.2016

Tschau Fidel

König Fröhlich ist tot. Die Geschichte wird ihn freisprechen. Hat er mal gesagt. Außerdem, auch wenn seine Zeit vorbeigehe, die Ideen des Kubanischen Sozialismus werden bleiben. Hat er auch gesagt. Beim letzten Parteikongress im nagelneuen und wunderbar blauschimmernden Adidas-Trainingsanzug. Also genau eine Stufe besser als der berühmte kleine Offenbacher Stadtanzug. Und irgendwie ohne jedes Gefühl für Productplacement und Schleichwerbung. Aber egal. Fidel Castro hat sicher auch nicht alles richtig gemacht. Aber er war allemal nicht so schlimm wie sein Vorgänger Batista. Denn der war ein astreines Superarschloch. Letztlich muss man sagen, dass der kubanische Sozialismus auch am amerikanischen Widerstand und Embargo gescheitert, spätestens nachdem Gorbatschow die großzügige Unterstützung Kubas durch die Sowjetunion gestrichen hat. Und im Alter, tja, da kann man auch als Maximo Lider etwas zu starrsinnig werden. Es ist schon ein bisschen schade, dass auch die, die dem Kapitalismus eine menschenfreundlichere Vision entgegen setzen wollen, am Ende immer an ihrer eigenen Ideologie scheitern. Daraus sollten wir lernen. Dazu braucht es keinen Freispruch der Geschichte, sondern das wir uns das Gute zum Vorbild nehmen und das Schlechte einfach unterlassen.

24.11.2016

Heil Edeka
Wie es sich für eine Einkaufsgemeinschaft Deutscher Kaufhäuser gehört, versuchen sich die Markentingenieure auch dieses Jahr wieder an einem Spot, der "viral" gehen soll. Denn Edeka will nicht nur durch den Anschluss von Kaisers Tengelmann totaler Marktführer werden, sondern auch Stimmungsführer sein. Blöd nur, wenn man dabei an ein paar gelangweilte Witzbolde seiner Hausagentur Matt und Jung gerät, die - das ist unter Werbern so eine Art Feierabendsport - ihrem Kunden immer mal wieder was unterjubeln, was sie selbst für so wahnsinnig intelligent halten, dass es vom dummen Kunden bei der Abnahme einfach durchgewunken wird. In diesem Fall geht es hauptsächlich um zwei Autokennzeichen mit gängigen Nazi-Codes, die wie durch Zufall im Bild rumfahren oder stehen: MU-SS 420 und SO-LL 3849.
Buchstaben und Zahlenkombinationen, die wie Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg, Sabine Bamberger-Stemman, im Detail erklärt, irgendwas mit SS, Hitlers Geburtstag, Heil Deutschland und Christlicher Identität zu tun haben; wobei letzteres in einem Weihnachtsspot ja vielleicht schon assoziativ irgendwie nicht total abwegig ist. Edeka spricht natürlich von einem Versehen, und da haben die Lebensmitteldealer wahrscheinlich recht, wenn sie das Versehen meinen, mal wieder ein paar kreative Spaßköppe unbeaufsichtigt in ihrer Werbefirma haben rumgaukeln lassen. Kann halt nicht immer gut gehen.

23.11.2016

Thommy allein zu Haus.

Es ist natürlich noch viel zu früh, um über den tatsächlichen Ausgang des Brexits zu spekulieren. Noch haben die Insulaner ja nicht mal einen Antrag eingereicht. Wenn man aber mal tief in das Gesicht vom aktuellen Britischen Finanzminister Philip Hammond schaut, vor allem wenn er grade den Haushalt für das nächste Jahr vorstellt, dann kriegt man doch eine ungefähre Vorstellung von dem, was der Brite sich da als Schicksal erwählt hat. Als erstes muss Hammond die Wachstumsprognose senken, psychologisch wertvoll erstmal um 0,8%. Das hat er schon gelernt: Erwartungen immer in kleinen Schritten dämpfen. Deswegen auch die Ankündigung, dass ein ausgeglichener Haushalt frühestens in der nächsten Legislaturperiode möglich sein wird. Würde ich auch sage, wenn ich dann damit nichts mehr zu tun haben wollte. Denn was jetzt schon klar ist: die Regierung muss Konjunkturspritzen verteilen, um ein paar Schlüsselindustrien anzuregen. Und Konjunkturspritze ist auch nur der positivistische Ausdruck für Schulden machen im ganz großen Stil. Apropos Schlüsselindustrie: damit sind schlüsselfertige Wohnungen für einkommensschwache gemeint. Bauprogramme waren ja schon immer ein Heilsbringer für eine wankende Wirtschaft. Für die Sozialschwachen - also die oberen Zehntausend - hat Herr Hammond keine Nachrichten, was für die ja meist gute nachrichten sind. Und, ach so, ja, fast hätte ich es vergessen: natürlich muss Herr Kassenwart auch noch ein paar Milliardengeschenke nach Wales, Irland und Schottland verteilen, damit die nicht aus dem UK austreten und wieder in die EU eintreten. Denn dann wäre ja ... siehe Titel.

22.11.2016

So läuft der Hase

Das US-Finanzministerium hat da jetzt mal einen Deal gegreenlighted, von dem mir bis heute gar nicht klar war, was das US-Steuerverscheißereiamt damit überhaupt zu tun hat, wenn Airbus hundert Zivil-Flugzeuge an den Iran verkaufen will. Ist doch ein europäischer Konzern. Und der Iran ist seit dem Atom-Deal doch auch nicht mehr Kunde-non-grata. Auch wenn das US-Repräsentantenhaus letzte Woche erst einem Gesetzentwurf zugestimmt hat, der den Verkauf von Flugzeugen aller Art an die Mullahs untersagt. Warum und obwohl das auch weitere 100 Flugzeuge, die von den Persern bei Boing bestellt wurde, beträfe, bleibt im Dunkeln. Und wenn, wäre das nicht Sache der NSA oder CIA oder irgendeinem anderen Geheimdienst, da den Daumen zu heben oder zu senken?
Aber noch mal zurück zum US-Finanzmysterium, das sich nun plötzlich doch entschieden har, die Exportlizenzen für die 106 Luftbusse zu erteilen, obwohl im europäischen Flugzeug auch amerikanische Technik verbaut wird (Ich tippe mal auf die Bordlautsprecher). Aha. So also muss man sich Globalisierung vorstellen: erst möglichst viele amerikanische Komponenten in die Produktion schmuggeln und dann den liebsten Freunden vorschreiben, was sie wann wem verkaufen dürfen. Keine Druckmaschinen mehr nach Nordkorea, denn die Arbeiter tragen Levi's Jeans bei der Arbeit. Keine Hightech-Wasserpumpen nach China, denn die Arbeiter waren mittags bei Mcdonalds. Alles sehr verwirrend. Aber zum Glück haben sie da jetzt diesen Trump: der wird da schon Ordnung reinbringen ...

21.11.2016

Mann beißt Hund

Jahrzehntelang hört man in jedem Seminar über Tageszeitungsschlagzeilen immer wieder denselben Spruch: Hund beißt Mann! ist keine Nachricht, sondern umgekehrt. Und weil man auf dieser modernen Welt einfach nur lange genug warten muss, bis das Irrsinnige eintritt, ist es dann heute endlich soweit: Ja, Mann beißt Hund! Und zwar in die Nase. Die Nase von Dienstpolizeihund Pepper. So geschehen heuet in Olsberg im Hochsauerland, als eine Hundeführerin zusammen mit Pepper einen flüchtigen Supermarktdieb stellte. Schön. Danke dafür. Das ist der Durchbruch. Der erste Schritt ist getan. Jetzt können weitere Schlagzeilen folgen: 
Baum fährt voll gegen Auto! Kanzlerkandidatin bewirbt sich als Merkel! Klima macht Menschen für Trump verantwortlich! Genmais an Monsanto-Vorstand verfüttert! Oder das Ihr schon immer mal in der Zeitung lesen wolltet ...

20.11.2016

Beliebtheitswerte

Gut, dass man vielerorts nicht immer glücklich ist, mit den Bakschischgesichtern, die man selber noch vor kurzem gewählt hat, weil sie doch so ehrlich versprochen hatten, das Schmiergeldwesen endgültig - sagen wir mal - wenigstens anzuprangern. Aber fünf Prozent? Das ist der aktuelle Beliebtheitsgrad der südkoranischen Präsidentin Park Geun Hye. Was im Umkehrschluss ja nichts anderes heißt als: 95 Prozent finden Madame einfach nur zum Kotzen. Was sicher auch daran liegt, dass ihre ehemalige Busenfreundin Choi Soon Sil sie in die äußerst merkwürdigen Finanzierungspraktiken ihrer privaten Wohltätigkeitsorganisationen bevorzugte. Wobei, was soll eine private Wohltätigkeitsorganisation auch sonst machen?
Ganz anders sieht es da bei uns aus. Kanzlerin Merkel tritt nächstes Jahr wieder zur Wahl an, wohl promoted durch zum Beispiel den zukünftigen President a.D. Obama, der unser aller Angela diese Woche über sämtliche Kleesorten lobte. Zwar macht auch ihr Busenfreund, Rolli Schäuble, in merkwürdigen Finanzierungspraktiken, aber seine bevorzugte Wohltätigkeitsorganisation heißt wenigstens Vater Staat. Also kein Skandal in Sicht. Mal schauen, wo ihre Umfragewerte dann  umherkreiseln, wenn es auch nächstes Jahr wieder heißt: Das ist alternativlos!

19.11.2016

Tabula Razak

Was macht eigentlich zur Zeit der schlechte Teil von Asien, oder wie der Franzose sagt: Mal Aysia! Obwohl die Polizei eigentlich jegliche Kundgebung der Opposition verboten und vorsichtshalber mal die Chefin des Bersih-Bündnisses wegen Terrorismusverdachts hat, kamen mal 40.000 Demonstranten zu den weltbekannten Petronas Towers, um dort noch mal ihrer Forderung massenhaft Ausdruck zu verleihen: Premierminister Najib Razak muss weg. Ja, aber warum? Naja, wegen typisch drittweltartiger Privatstaatsführung: aus dem eigens von Boss Razak aufgelegten Staatsfond One MDB sind knapp 3,5 Milliarden Dollar verschwunden, 700 Millionen davon seien laut US-Justizministerium auf einem Konto von einem malaiischem Offiziellen Nummer Eins wieder aufgetaucht. Und selbst der ungebildetste Malaye kann sich genau vorstellen, wer damit wohl gemeint sein könnte. Dazu passen auch die sonst üblichen Begleiterscheinungen: Staatsanwälte, die den Fall des schwindsüchtigen Fonds untersucht haben, wurden entlassen oder versetzt. Journalisten, die darüber berichteten, wurden entweder mundtot oder auch mal richtig tot gemacht. Bin schon gespannt, ob sie die anderen 2,8 Milliarden Dollar dann noch finden.

18.11.2016

Make University Great Again! 

Vorsichtig versucht die Achse des Blöden seit einer Woche alle Nachrichten zu umschiffen, in denen ein gewisser Donald vorkommt, denn wir sind uns jetzt doch nicht ganz sicher, ob dieser Ausländerpräsidentbeleidigungsparagraph nun gestrichen wurde oder nicht. Und dann schlägt man mal das Internet auf und schon poppt es von allen Seiten auf: Trump ernennt Verschwörungsmedienmogul zum strategischen Sonstwas, Trump in Japan, Chaos vor Trump Tower u.s.w.

Von all den vielen Fassungslosigkeiten, mit denen der Trumpanator schadlos durch seinen Wahlkampf gekommen ist, hätte - so will ich hoffen - hierzulande eine alleine gelangt, um seine politische Karriere zu guttenbergen. In der Gerichtsposse um seine selbsternannte Immobilienkasper-Universität "Trump U" hat sich der, der ja sonst jeden Prozess gewinnt, mit den Opfern seiner Ausbildungsbetrügerei mal wieder außergerichtlich auf die Zahlung von 25 Millionen Dollar Entschädigungen geeinigt, hauptsächlich weil er, wie der Gewohnheitsetikettenschwindler in ihm es zusammenfasst: als künftiger Präsident nun leider keine Zeit mehr habe, sich mit solchen Lappalien zu beschäftigen. Und von wegen toller Geschäftsmann: mit den Entschädigungen an die ehemaligen Studenten verwandelt sich sein ehemaliger Gewinn von 5 Millionen Dollar nun in eine Pleite mit 20 Millionen Miesen. Etwas, das noch nicht mal ein Haushaltsverantwortlicher im amerikanischen Kongress sich trauen würde, ein erfolgreiches Geschäft zu nennen. 20 Millionen Verlust bei 40 Millionen Umsatz. Yeah! You have been trumped!

17.11.2017

Rücktrittsgesuch am Stammtisch

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat sich für eine "aus dem Zusammenhang gerissene" Äußerungen entschuldigt, mit denen er mal free from the liver alle afrikanischen Männer beschuldigt, einen Großteil ihres Einkommens für Alkohol, Drogen und Frauen auszugeben und den Rest - wie das berühmte Zitat von George Best nahelegt - einfach nur so zu verprassen. Upps, da hat wohl mal wieder einer in seinem Hinterstübchen die Tür zum Idiotenlager weit offen stehen lassen. Da nützt es auch nichts, wenn ihm Umweltministerin Barbara Hendriks hilfreich zur Seite springt und behauptet: "Das ist die Lebenserfahrung". Ja, der Kontext, gut, den sollte man schon auch mit in die Beurteilung einbeziehen, stimmt, aber trotzdem: wer nicht Böhmermann oder Welke heißt und solchen Stumpfsinn von der Laune plötzlicher Erkenntnis übermannt einfach mal in die Gegend blökt, hat ehrlich gesagt in einem Ministerium an repräsentativer Stelle nichts, aber auch gar nichts zu suchen. Und, besäße der Mann auch nur ein bißchen Schamgefühl, so würde ohne weiteres Federlesen noch heute nacht zurücktreten. Auch wenn Trump damit Erfolg gehabt hat, ich möchte nicht, dass unsere Politiker jetzt anfangen, wie vom Leben enttäuschte Bordellbesitzer pauschal über ganze Völker zu urteilen. Möge sich auch Herr Müller in diesem Sinne mal entwickeln, und zwar hinfort!

16.11.2017

Hartzherzigkeit

Im Monat, so die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sabine Zimmermann, klagen etwa 10.000 Hartz-IV-Empfänger gegen ihre Bescheide, und ungefähr die Hälfte bekommt Recht. Das kann mehrere Gründe haben. einer ist: das Gesetz ist einfach viel zu variantenreich konzipiert und lässt multiple Auslegungen zu. Der zweite: die Behörden sind durch interne Dienstanweisungen angehalten, erst einmal immer den schlechst möglichen Fall für den Betroffenen anzunehmen. Das erstere trifft wahrscheinlich auf so gut wie jedes Verwaltungsgesetz zu, denn oft ist schon der Gesetzgeber mit sich selbst nicht einig, was er vor der Wahl versprochen hat und was er nachher noch in der Lage ist, davon umzusetzen. Beim zweiten muss man eindeutig von staatlicher Methodik sprechen. In den letzten Jahren habe ich von ganz unterschiedlicher Seite gehört, egal ob es Baurecht, Steuerrecht oder die Benutzung des eigenen Vorgartens als Liegewiese geht, dass einem die Behördenvertreter mit freundlicher Bestimmtheit sagen: "Dann verklagen Sie uns doch. Vor Gericht werden Sie ja Recht bekommen, aber unsere Dienstanweisung lautet nun mal so!"
Und da fragt man sich schon auch einmal, mit welchem Recht ein Staat von seinen Bürgern verlangt, sich an Recht und Gesetz zu halten, wenn er es selbst zehntausendfach einfach mal so drauf ankommen lässt. Schäme sich wer kann!

15.11.2016

Siechtum und Wahrheit

"Die wahre Religion" nennt sich ein vom Innenminister heute verbotener Islamererverein, der eine zufällig in der Gegend herumliegende Religion als Deckmantel für seine radikale Ideologie benutzt. Was auf eine gewisse, philosophisch grenzwertige Art und Weise nur konsequent ist, denn erst eine radikal praktisch angewandte Ideologie kann aus dem Verhältnis zu einem eingebildeten Weltpaten (vulgo: höhere Macht) so etwas ähnliches wie eine Wahrheit machen. 3,5 Millionen kostenlose Korans soll die Gruppe in den letzten Jahren verteilt haben, hauptsächlich um die wahren Kosten ihrer Ideologie zu verschleiern. Nun, der Innenminister hat nichts gegen den Islam als solches, nur die Geschichte mit der Wahrheit hat ihn wohl stutzig gemacht, denn seine Sicherheitsbehörden haben kürzlich herausgefunden, dass von der Islamistengruppe mittlerweile 140 Kämpfer angeworben und in den islamanischen Staat verfrachtet wurden, wo sie schon mal die wahre Ideologie in ihrer konkreten Form verüben durften. Dabei zeigt doch genau dieser so langsam wieder in sich zusammensackende Gottes-, oder besser: Allahstaat, wohin die Ware Religion führt

14.11.2016

pluralis majestatis unter Eseln

Heut kann sich die Achse des Blöden mal wieder garnicht so recht entscheiden, was die Nachricht des Tages sein soll. Die vielleicht tiefgründigste Schlagzeile liefert eine Internetplattform mit leichter Buchstabierschwäche: "Lufthansapiloten drohnen mit Streik!"
Einen Einblick in die außergewöhnlichen Interessen der Chinesen gibt das Exportverbot für Esel, das die nigerianische Regierung heute erlassen hat. Die hohe Nachfrage nach Eselfleisch und -gelatine bringt das heimische Transportwesen ins Wanken, denn die Bauern können die teuren Preise für Esel nicht mehr bezahlen. Entwicklungsexperte Abzurahmen Abu Hamisu hingegen befindet: "Für mich ist die hohe Nachfrage nach Eseln eine Bedrohung, aber auch eine Chance, wenn ich daran denke, dass wir unsere Wirtschaft breiter aufstellen müssen. Das gibt der Regierung eine Chance, die Menschen zu ermutigen, ins Eselsbusiness einsteigen, sodass wir davon profitieren!"

Den größten Klopper allerdings hat heute mal wieder der Erdogator aus seiner Denkmurmel gepult, als er für sein türkisches Volk ein Referendum im Stile des Brexit-Votums ins Spiel brachte, um der EU beim nahenden Abbruch der Beitrittsverhandlungen hilfreich zur Seite zu springen: "Und dann kommt Ihr daher und sagt, sie Beitrittsverhandlungen mit der Türkei könnten gestoppt werden ... Warum so spät? Entscheidet Euch bitte sofort!" Um dann zwei Sätze später noch mal etwas orakelhaft Wahres zu sagen: "Was sagt der Westen? Todesstrafe, sagt er, das geht gar nicht! Ich wiederum möchte an den Westen appellieren: Hör zu, Westen! Das Schicksal dieses Volkes liegt nicht in deinen Händen. Das Schicksal dieses Volkes liegt in unseren Händen!" Ich mag ja, wenn die Esel von sich selbst in dritter Person sprechen, oder gleich in mehreren dritten Personen.

13.11.2016

Häuptling Silberlocke

Da regt man sich monatelang über das amerikanische Wahlsystem auf, und dann sowas: Wie gut so eine Demokratie zu dritt funktioniert, haben die Seniors und Seniorinnen der Regierungsparteien ausnahmsweise mal wieder einstimmig demonstriert. Nachdem unsere Troika wohl zuletzt ein wenig von Männern mit fragwürdigen Frisuren (Wilders, Johnson, Trump) umzingelt und in ihrem Seelenfrieden gestört wurde, war wohl der Wunsch nach typisch deutscher Weisheit einfach zu übermächtig, um nicht nach einem neuen Kandidaten für die - haha - Wahl zum Bundespräsidenten Ausschau zu halten, der mit übersichtlich geordneter Haarpracht brilliert. Halt einer wie Steinmeier. Einer, der mindestens kein Grüner oder schon gar ein Linker ist. Einer, der sich beim einfachen Volk durch seine Mitwirkung an den Hartz-Reformen beliebt gemacht hat. Also einer, der im Volk sogar beliebt ist, obwohl er mit Schröder die Agenda 2010 durchgepeitscht hat. Einer, der Deutschland von Außen kennt. Einer, der schon mal als Kanzlerkandidat so höflich war, der Dame den Vortritt zu lassen. Halt einer wie Steinmeier. Der Kandidat der drei Herzen ...

12.11.2016

Freiheit

Ein sehr zerbrechliches Gut, dass abseits eines Lebens in totaler Einöde nur durch eine entsprechende gesinnte Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden kann. Wie es nicht geht, kann man sich an allen Ecken und Enden der Welt veranschaulichen lassen. Wie ich grad darauf komme? Heute ist durchgesickert, dass das Bundesfinanzministerium mit dem Plan liebäugelt, unsere Autobahnen zu privatisieren und dann mittels eines Mautsystems die Kosten der Nutzung den Nutzern aufzuerlegen. Klingt erstmal nett für alle, die sowieso selten auf einer Autobahn unterwegs sind. Irgendwas wird dann schon billiger werden. 
Nein, wird es nicht, denn die Geschichte der Privatisierungen von öffentlichen Betrieben zeigt tendenziell in die andere Richtung: wann immer etwas nicht mehr als gesellschaftliche Aufgabe zum Wohle aller, sondern nur noch als Anlagemöglichkeit für Kapital betrachtet wurde, stiegen letztlich die Kosten oder die Qualität ließ deutlich nach. Oft sogar beides zusammen. 
Am Ende werden dann Autobahnen für die dicken Limousinen und schnellen Sportwagen leerer und immer mehr Verkehr wird sich über Landstraßen quälen. Kann man sich jeden Sommer in Frankreich anschauen, wenn Nordfranzosen, Belgier und Holländer ans Mittelmeer strömen, aber die knapp 100€ Maut sparen wollen, weil die sich am Strand besser in Bier, Wein und Drillgut besser investiert sind. Freiheit auf deutschen Autobahnen wird dann auch zu einem bezahlbaren Gut. Und das sollte eine Gesellschaft eigentlich nicht 
zulassen: dass Freiheit, und sei es nur die Freiheit der Bewegung, letztlich vom Portemonnaie abhängig wird. 

11.11.2016

Ministry of Stupid Walks

Sender am Gehirn, Bluetooth-Verbindung zum Empfänger am Rückenmark - mit diesen interessanten Versuchsaufbau haben ein paar Wissenschaftler von der Technischen Hochschule Lausanne einen am Beim gelähmten Pavian wieder halbwegs zum Laufen gebracht. Die beschädigten Nerven wurden einfach durch die Funkstreife überbrückt. Man kann schon auch fasziniert sein, von dem, was der Mensch da so alles erforscht und wie er sich Stück für Stück weiter in die Natur vorarbeitet. So weit, so toll. Was der Affe nicht weiß: die Wissenschaftler können ihm nun auch jeden anderen Bewegungsbefehl auf den Sender schicken. Wenn die Technik reif für querschnittsgelähmte Menschen ist, werden sich ein paar Frankenstein-Hacker lustige Tanzwettbewerbe liefern. Denn es muss ja unbedingt alles gemacht werden, was irgendwie geht. 

10.11.2016

Ganz neuer Trick

Während die ganze Welt nach Washington schaut, packt der indische Regierungspräsident Modi mal einen noch nie dagewesenen währungspolitischen Hammer aus und erklärt über Nacht alle 500 und 1000 Rupienscheine für wertlos. Schon rennen alle Inder zu den Bankautomaten und ziehen alles, was es noch an 100ern gibt, aus den Geldautomaten, bis nix mehr da ist. Ab Mitternacht dann gilt der Bann für die alten Scheine, ab Freitag liegen dann neue 500er und 2000er zur Ausgabe bereit. Die alten Scheine können dann noch bis Ende Dezember gegen Vorlage eines Personalausweises einmalig umgetauscht werden. Danach sind die Scheine nix mehr wert.
Was das ganze soll? Indien hat einen gigantischen Schwarzmarkt und riesige Korruptionsprobleme. Die benötigten Summen wechselten für gewöhnlich in 500ern und 1000ern die sauberen Hände. Modis Idee ist vielleicht so einfach wie genial. Wer jetzt seinen illegal erworbenen Schatz umtauschen will, wird er erklären müssen, wie er zu einer so großen Summe Bargeld gekommen ist und warum sich das nicht in seiner Steuererklärung widerspiegelt. Zumindest in diesem Punkt der Steuerkorrektur könnte der Trick greifen. Warum aber die gesamte Bakschisch-Gesellschaft sich in zwei Wochen nicht auf die neuen Scheine einstellen können sollte, das kann jetzt wieder keiner erklären. Aber egal: es ist allemal ein lustiger Move, der die indische Kleinhandelswirtschaft jetzt erstmal zum Erliegen bringt.

09.11.2016

Zoppo Trump
Wie einst der berühmt-berüchtigte Gegenspieler des kleinen König Kalle Wirsch so haben jetzt auch die Amis ihren ganz persönlichen Zoppo. Ok. die Frisur stimmt nicht ganz, aber als Charakterstudie könnte der kleine Widerling aus der Pupsburger Augenstube schon durchgehen. Aber was soll der Rückgriff aufs Puppentheater, wenn es doch Zeit ist, mythologisch zu werden: in irgendeinem Olymp müssen sich grade ein paar völlig zugekokste Götter unfassbar über die beleidigten weißen Amerikaner lustig machen, die den grüßt möglichen Bock im Panoptikum des Irrsinns geschossen und eben den zu ihrem persönlichen Gärtner gewählt haben. Nach Russland, Türkei und noch ein paar anderen Ländern begibt sich nun das Land der Freien zurück in sein "goldenes Zeitalter" - ohne Globalisierung, ohne Technisierung, ohne Telefax. 
Ähnlich wie beim Brexit zeigt sich auch wieder mal wieder, dass die Demoskopen und umfrageheiler die gröbsten aller kappen sind, dicht gefolgt vom Einschaltquoten getriebenen Peinlichkeitsfernsehen. Und es würde mich auch in diesem Fall nicht wundern, wenn sich schon heute viele Menschen fragen, warum sie nicht doch zur Wahl gegangen sind um das kleinere von zwei großen Übeln sicher zu wählen.
Einer der groén Klassiker der chinesischen Verfluchungen ist: "Mögest Du in interessanten Zeiten leben!" Und wer schon immer mal wissen wollte, wie das wohl gemeint sein könnte, kann jetzt Zoppo the Trump mal ein paar Jahre beim Regieren zuschauen. Halali!

08.11.2016

Htllary gegen Trumpolini
So, jetzt findet diese monatelange Hetzkampagne um das Amt der amerikanischen Präsidentin endlich ihren erlösenden Höhepunkt. Heute müssen sich die Amis zwischen zwei Frisurenmodellen entscheiden: wollen sie Schock oder Flop? Pestbeule oder Choleriker? Fahrradhelm oder Opernfoyermütze? Und vor allem: wer ist was davon?
Wobei sie sich ja schon mal einig sind; sie finden bei Kandidaten eigentlich scheiße. 54% mögen Madame Clinton kein bißchen, und sogar 61% finden Monsieur Drumpf schlichtweg zum Kotzen. So vermelden es die Umfrageinstitute. Gleichzeitig wollen aber 47% die professionelle Apparatschikse wählen (minimum 1% Überschneidung mit denen, die sie garnicht leiden mögen), grade mal 45% würden für den Polterbold und serienmäßigen Pleitier (oder Pelztier, wie Autokorrektur steif und fest behauptet) stimmen, was immerhin minimum 6% Überschneidung mit der Gruppe seiner Hater bedeutet. Zum Glück für beide Kandidaten haben die Wähler ja nur bedingt was zu sagen, weil sie zwar für Wahlmänner stimmen können, aber wenn die in ihrem Staat in der Minderheit sind, müssen sie gegen ihr Mandat dann für den Gegenkandidaten stimmen. Soviel zur Logik der usamerikanischen Demokratur. Aber egal, die Griechen haben das ja auch schlecht erfunden, gell. Gut, am Ende können sie sich aussuchen, ob sie die nächsten vier Jahre den brüllaffigen Pinocchio oder die gewohnheitsmäßige Pinocchia anbeten dürfen. Ich wage schon mal eine Voraussage: wer auch immer gewinnt, eine zweite Amtszeit schafft der oder die nicht! Auf der anderen Seite: Vier Jahre sind eine lange Zeit um jede Menge Schaden anzurichten. Na dann, gute Nacht!

07.11.2016

Fünfzig Schatten von Schwarz

Was ist nun eigentlich mit Panama? Mal fünf Tage in den Nachrichten gewesen und dann wieder monatelang nix. Dabei will die EU doch was gegen Steueroasen aller Art tun, sagt sie. Und da fängt das Problem schon an: was ist denn eigentlich so eine Steueroase? Wo der Steuersatz gleich Null oder nahezu bei Null ist? Oder wo er nahezu bei Null oder aber aber einfach nur ein bissi billiger als bei Schäubles daheim ist? Das gäbe es ja zum Beispiel die Britischen Niedrigsteuerinseln Bermuda und Guernsey, die gehören ja schon auf so eine Liste. Finden aber die Brexiteers aus London schon mal garnicht, und wenn es das Letzte ist, was sie vor ihrem Aufnimmerwiedergesehen noch in der EU anrichten, dann ist es ein Bestandsschutz für ihre Steuermauscheleiländer. Weswegen sich die EU zwar wieder auf nix von Bedeutung einigen konnte, bis auf die fast in ihrer schlichten Schönheit geniale Präambel: dass nie ein EU-land selbst auf dieser Aufzählung erscheinen darf, kann oder gar muss. Immerhin! Das ist doch schon mal ein schöner Anfangserfolg für so eine Schwarze Liste.

06.11.2016

Selbstkritik

Dass Seine Selbstherrlichkeit Sultan E. von eigenen Gnaden mittlerweile seine ganz eigene Auffassung von den Geschehnissen um ihn herum vertritt, dürfte sich jetzt bis in die letzten Ecke angrenzender Kontinente herumgesprochen haben. Ob das jetzt um die Re-Osmanisierung des bisher als Türkei bekannten Staatsgebiets geht, seinen Rundumschlag gegen einstige Weggefährten und Kurden aller Art oder seine scheinheilige Beteiligung am Kampf gegen den ISIS, den er selbst mit Waffenlieferungen gegen günstiges Öl unterstützt hat. Vor allem aber Vorwürfe aus der EU, der er früher mal doch so unbedingt und baldigst beitreten wollte, er würde sich mit solchen Gedanken wie der Wiedereinführung der Todesstrafe (Wir wissen ja für wen) oder der Abschaffung der freie Presse (Wir wissen warum) doch inhaltlich deutlich von den Grundauffassungen der EU entfernen, fichten ihn nicht mehr an. Sogar die Bildzeitung, die ihm nach langem Zögern dann doch endlich mal Diktator genannt hat, sei ihm "völlig egal!"
Warum, erklärt Herr Sultan auch gerne mal live im Fernsehen: "Das geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus!" Und ja, mein lieber Herr E., das ist eine einleuchtende Erklärung, vor allem wenn man davon ausgeht, dass sich Schall in so einem Schädel ungehindert von der einen zur anderen Seite fortsetzen kann. Das zumindest mitteleuropäische Lesart dieses Sprichworts.

05.11.2016

Marathon

Was macht eigentlich die Wiege der Demokratie, wie wir sie nicht kennen? Sie bastelt mal die Regierung um. "Wiederverwertung der gleichen korrupten Gesichter" nennt das die Opposition. "Wir haben die Möglichkeit für einen Neustart, der uns den notwendigen Schwung für die letzten kritischen Schritte beim Marathon gibt, der uns zu besseren Tagen führt!" sagt Ministerpräsident Tsipras, und sehr viel griechischer hätte er es wahrscheinlich gar nicht ausdrücken können, bevor er heute seine Regierungsmannschaft umbesetzt hat, um die letzten noch fehlenden von der jetzt nicht mehr Troika genannten Troika geforderten Reformen umzusetzen. Bevor dann ganz in der Tradition des Marathonlaufs Teile des griechischen Volks kurz nach Erreichen der Ziele einfach schweratmend vornüberkippt und das Leben einstellt. Wenn sie Glück haben, sind das alle Rentner ...

04.11.2016

Dein Name sei Programm

Psychologisch gesehen nimmt das jetzt den Eröffnungsdruck vom Berliner Flughafen, denn die heutige Übergabe der Elbphilharmonie in der Hanselstadt Hamburg beweist: Ja, Deutsche können Großbauprojekt doch noch fertig kriegen. Wenn auch nur in Etappen und unter ständigen Nachbesserungen, Terminverschiebungen und Neuverhandlung der früher schon mal zu ende verhandelten Kosten. Bei der Elphi, wie man die Elbphilharmonie zur Verniedlichung der Kostenentwicklung gerne nennt, liest sich das in Zahlen so (geplantes Eröffnungsjahr/Kosten in Millionen Euro): 2010/186M€, 2011/241M€, 2013/399M€, 2014/476M€, 2015/575M€, wobei letztere Summe ein 2013 ein zwischen der Stadt Hamburg und der Baufirma Hochtief verhandelter Festpreis ist - angeblich! Wobei sich die Baufirma analog zum Verhältnis ihrer ursprünglichen Kalkulation zu den tatsächlichen Kosten lieber Tiefhoch nennen sollte, damit der Name auch dem Programm entspricht.  

03.11.2016

Nicht ohne eine gewisse Logik

Worauf sich die Veruneinigten Staaten noch freuen können, wenn Donald Drumpf tatsächlich gewählt wird: auf ein klatschblattversiertes First Botoxolotl, das - wenn sie mal nicht aus ganze Reden von Michelle Obamas Wahlkampf vor acht Jahren zitiert - sich dann als Anwältin für Frauen und Kinder sähe: "Vor allem für Kinder und Teenager ist der raue Umgangston im Netz eine Gefahr, denn die Kultur in der USA ist zu gemein und grob geworden." Und dann sagte die soundsovielte Frau von The Donald noch, sie werde gegen online-mobbing in asozialen Medien wie Facebook und Twitter etc. kämpfen, denn man müsse "einen besseren Weg finden, um miteinander zu reden, anderer Meinung zu sein und sich trotzdem gegenseitig zu respektieren!"

Insgesamt ein Wahlkampfauftritt, der mal wieder eine ganze Reihe von Top-Vorlagen für Schlagfertigkeiten aller Art bot. Die beste hat direkt CNN Gastmoderator David Axelrod verwertet. Wenn sie wirklich was gegen Twittertiraden und Shitstürme hätte unternehmen wollen, "wäre es eine wirksame Taktik gewesen, wenn sie gesagt hätte: Als erst Maßnahme nehme ich meinem Mann das iPhone weg!

02.11.2016

Geschäftsgespräche

Das ist nicht nur der Untertitel unter einem Bild von unserem in China auf Staatsbesuch beim KP Vorsitzenden Li Keqiang, sondern gleich auch der vollständige Artikel, den die chinesische Vollzugspresse zu veröffentlichen hat. Denn man liest es nicht so gern in der Zeitung, wenn da so eine bräsige Langnase aus Sonstwo der Herren von der KP mal sagt, was Phase ist. So von wegen Dumping in Sachen Stahl, erzwungenen Joint-Ventures und extrem einseitigen Urheberschutz. Mal ganz davon abgesehen, dass sich chinesische Unternehmen an europäischen Ausschreibungen beteiligen dürfen, deutsche Unternehmen sich aber nicht um chinesische Staatsaufträge bewerben dürfen. Alles in Allem: klare Schräglage in den Geschäftsbeziehungen. Aber immerhin, auch wenn die Chinesen sowieso nicht mit Kritik umgehen können, weil sie in den Etagen sowas Kritik wegen is nicht schon lang nicht mehr gehört haben, unser Scherzengel Gabriel traut sich was: ausnahmsweise dem vermeintlich Stärkeren mal die Wahrheit sagen. Mal die Stirn bieten. Oder einfach nur mal noch einen raushauen, bevor die eigene politische Karriere irgendwo in den Eingeweiden der Brüsseler Auffangbürokratie für Exminister endet. Bin schon gespannt, ob wir noch zu hören oder zu lesen bekommen, was Herr Li sich als Antwort ausgedacht hat. Wahrscheinlich sowas wie: Willkommen im pazifischen Jahrhundert!

01.11.2016

Schlechtes Klima

Nicht ganz so episch, aber nicht minder tragisch als bei Hemingways altem Mann und das Meer, hat ein marokkanischer Fischhändler seinen gefangenen Schwertfisch gegen eine wilde Meute von Räubern verteidigt. Dummerweise waren das uniformierte Vertreter der Fischereibehörde, die - wahrscheinlich wegen ausstehender Bakschischzahlungen - den Fang des Fischers Moucinhe Eikris als illegal entklärten und ihn einen Müllwagen entsorgen ließen. Fikris, im Versuch sich gegen die Willkür der Haie zu wehren, stieg tapfer in den Müllwagen, um zu retten was zu retten war. Und das war nicht er selbst, denn die Kollegen von der Behörde stellten zur Klärung weiterer Verwicklungen die Müllpresse am Wagen an und entsorgen so Fisch und Fischer in einem Aufwasch. Und da kann man nur sagen: Respekt, liebe Fischereipolizei, darauf muss man erstmal kommen. Wenn da so ein lausiger Fischer Ärger macht, ab in die Müllquetsche mit ihm. Problem gelöst.
Oder nicht so ganz. "Auf der symbolischen Ebene ist der Fall schlimm", übertreibt auch der Direktor des königlichen Instituts für die Amazigh Kultur (Anm. d. Red.: das sind die Ureinwohner Marokkos), denn es bedeute, "dass der Staat seine Bürger nicht respektiere!" Oder wie es einige Demonstranten schon mal auf ein Begrüßungsschild für die Teilnehmer des nächste Woche in Marokko stattfindenden Umweltgipfels kritzelten: "Herzlich willkommen zur Klimakonferenz - hier zerquetschen wir Menschen!

 

Oktober

31.10.2016

Jura Sick Pack

Aus der Reihe extrem schwachsinnige Gesetze in mittelalterlichen Staaten präsentieren wir heute: Artikel 227 des tunesischen Strafgesetzbuchs. Besagt in Kurzform etwa folgende Feinheit des ostmaghrebinischen Gesellschaftsverständnisses: Ein überführter Vergewaltiger kann seiner Strafe durch Hochzeit entgehen. Also nicht irgendwen  heiraten, sondern - raten wir mal - ja genau, er muss schon die Dame seines Herzens ehelichen, die er sich schon vor dem Bund fürs Leben mit Gewalt gefügig gemacht hat, Marke: Du hast ein Loch in die Puppe gemacht, jetzt musst Du sie auch aus dem Regal nehmen. 

Und die Opfer? Ja, nun, die Schande, der gesellschaftliche Druck, die Familienehre ... Viele meist minderjährige Opfer halten es tatsächlich dann für die bessere Lösung ihren Peiniger zu heiraten, denn es ist ja nicht nur Männern der sexuelle Verkehr mit Mädchen zwischen 13 und 20 Jahren eigentlich generell verboten, nein, auch das Opfer macht sich - weil nicht sein kann, das nicht sein darf - wegen außerehelicher Geschlechtsbetätigungen ebenfalls strafbar. Da macht der Allahrabiker nämlich keinen Unterschied: Sex ohne Trauschein ist nicht gottgefällig, und da ist jetzt mal egal, ob ein Mädchen wie die 14jährige Hajer monatelang von drei Familienmitgliedern vergewaltigt, deswegen ein bißchen schwanger und schließlich von einem übereifrigen Talkshowschwachmaten aufgefordert wurde. sich bei ihrem Vater für die Schande zu entschuldigen.
Da weiß man ja gar nicht, wem man was zuerst um die Ohren hauen soll ...

30.10.2016

Kleiner Exkurs in Sachen Lächerlichkeit

Hirnaggrobat Lutz Bachmann, vor zwei Jahren noch Mitbegründer der rechtsextremen Pegida, ist ja im Sommer erst auf die kanarischen Inseln ausgewandert und kommt nun nur noch gelegentlich zu den einst von ihm selbst ins Leben gerufenen Demonstrationen gegen unerwünschte Zuwanderer. Auf Facebook hatte er seinen Schritt auf die Inseln mit dem lustigen Post kommentiert: "Wen interessiert es, wo man arbeitet und seinen Lebensunterhalt verdient, solange man mit Rückgrat hinter der Sache steht?" Gut, das mit dem Rückgrat ist schon lustig genug, für jemand der Freizügigkeit genießen aber nicht teilen möchte. Viel lustiger ist aber, dass die Provinzregierung der Kanaren nun genau diesen Lutz zur persona non grata erklärt. Jetzt isser da, wo ihn keiner haben will: ein unwillkommener Fremder mit seltsamen Ansichten und Gebräuchen, dem man die Integration in die spanische Kultur einfach nicht zutraut. Oder wie wir sagen: zu dumm, um einen einem Sangria von einer typischen Dresdner Nationalspeise zu unterscheiden. Und Lutz? Wie ist das so, wenn einen keiner erdulden mag? Und man noch nicht mal Asyl beantragen kann, weil man aus einem sicheren Erstland kommt? Und jetzt stell dir mal vor, in Dresden wäre der Gottesstaat ausgebrochen und all das schöne Elbflorenz wäre in Schutt und Asche gebombt. Ganz schön scheiße, gell? 

25.10.2016

Leyentheater

Wo doch die jungen Menschen nicht mehr zum Dienst an der Waffe eingezogen werden können, muss natürlich Werbung die Lücke zur Wehrpflicht schließen. Klar, das muss auf YouTube. Jede Menge selfie-clips von drei junge Azubis, die mit 90 5Minütern durch ihre Grundausbildung begleitet werden. Das soll jugendlich, frisch, authentisch wirken und am besten viral gehen. Weil man aber den für ca. 8 Millionen Euro mit Wackelkamera und Selfie-Optik produzierten Clips diese Viralität von alleine nicht traut, muss diese Kampagne mit einer zweiten Kampagne in Printmedien angekündigt werden, was weitere 6,8 Millionen verschlingt. "Wir wollen auch auf die junge Zielgruppe der 17 - 25jährigen zugehen und mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren!" sagt auch Dirk Feldhaus, der Beauftragte für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr. Und während er das daherplappert, rechnet sein Adjutant schon mal aus, dass man für dasselbe Geld 10.000 junge Menschen für eine Woche nach Ibiza einladen könnte, wo sie dann von Rekrutierungsoffizieren auf Augenhöhe unter den Tisch gesoffen und noch vor Mitternacht zünftig Schanghai werden könnten. So wäre das Geld wahrscheinlich effektiver angelegt.

24.10.2016

Turbulente Zeiten

Also bei all dem wahnwitzigen Weltgeschehen muss man auch immer wieder mal in die Hintergründe reinzoomen und zugeben, dass man keine Ahnung hat, was da vor sich geht. So hat sich die Bundesbank mal den sogenannten Hochfrequenzhandel an der Börse angeschaut und ist zu dem Schluss gekommen, dass da ja alles viel zu schnell geht. Und irgendwie lassen sich auch die Auswirkungen auf den normalen Handel nicht so richtig bestimmen, weil: es geht ja viel zu schnell. Innert Millisekunden werden tausende Geschäfte von vorher auf irgendwas programmierten Programmen vollführt, also tausende Geschäfte in nur einem Wimpernschlag; um mal ein Zeitmaß aus dem einfachen Leben zu verwenden. Die Datenmassen, die da entstehen, können von Menschen nicht mehr zeitnah kontrolliert werden. Um nur zwei Wochen aus dem Jahr 2014 halbwegs nachzuvollziehen, hat ein Team von Forschern nun knapp zwei Jahre gebraucht. So geht das natürlich nicht weiter, dass da irgendwelche Roboter Geschäfte machen und die Menschen haben keine Chance mehr, da mitzukommen. Deswegen will die Bundesbank auf dieser Datenautobahn jetzt auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung einführen. Und auch eine Verzögerung des Handels ist ein Thema ... um sage und rechne 350 Mikrosekunden.
350 Mikrosekunden! Wow. Was man in dieser Zeit alles erledigen kann. Da kann man ja ... also, lass mich mal überlegen .. da könnte man doch ... da hätte man ... oh, blöd, sind schon mehrere zigzehntaused Mikrosekunden vergangen. seit Sie die letzten zwei Zeilen gelesen haben. Und da wundern Sie sich noch?

18.10.2016

Kaum möglich

Woran man die Verzweiflung einer Ideologie zielsicher erkennt? Wenn sie es nötig hat, Kinder einer Gehirnwäsche zu unterziehen, sie dann in Uniformen zu stecken und als reguläre Armee-Einheiten ins Feld zu schicken. Das war bei den Nazis so und das ist beim Islamischen Unstaat kein Deut anders. Bei der jetzt begonnenen Offensive zur Befreiung der Stadt Mossul rechnen die Befehlshaber der irakischen Armee und der beteiligten Milizen fest damit, auch solche Kindertrupps bekämpfen zu müssen. Der Anführer den assyrischen Christen Miliz mit dem leicht verwirrenden Namen "Babylon-Kräfte", Rayyan al Kildani, verspricht "dabei so menschlich wie möglich zu Werke zu gehen!"

Ich habe keine Vorstellung davon, wie das gehen soll, empfehle aber: Ohren langziehen, Hosenboden versohlen und dann ohne Abendgebet ins Bett schicken. Ich befürchte nur, das wird so nicht klappen ...

17.10.2016

Im Osten nix Neues

Sollte ich jemals für ein Drehbuch einen Serienkiller erfinden, der auf Schlüsselreize hin Giftmorde begeht, so nenne ich ihn Arsen Pawlow. Also genau so wie den einen der russischen Seperatistenführer der Rebellen in der Ostukraine, der heute beim Betreten eines Aufzugs in Donezk von einem Sprengsatz gehimmelt wurde. Woraufhin der selbsternannte Separatistenpräsident der Republik Donezk ebenfalls reflexartig irgendein Geheimkommando der ukrainischen Regierung verantwortlich macht, wohingegen die eher über einen Streit unter den Warlords des abtrünnigen Gebiets "Neurussland" spekuliert. Und da fällt es einem mal wieder ein: Stimmt, da war was. Da ist ja immer noch Krieg. Nur mittlerweile irgendwie unbemerkt.

14.10.2016

Passt wie Arschmeyer in Hosenmeyer

Im Vergleich zu Thailand gibt's in Deutschland ja meist nur Möchtegernkönige und Provinzprinzen. So wie die einstigen Männerfreunde Claasen und Maschmeyer, die sich seit Monaten vor Gerichte zerren, wahlweise wegen Betrugs, Vorteilsnahme, Beleidigung und übler Nachrede. Und wenn Claasen aus der Portokasse der gemeinsamen Firma Syntellix mal eben 120.000€ als Sponsor des spanischen Inselkickerklubs Real Mallorca (Hauptaktionär: Claasen) raushaut, dann wirkt das im Vergleich zu Maschmeyers Karriere als finanzoptimierender Drückerkolonneneinpeitscher doch eher als Kavaliersdelikt. Will sagen: da wird schon was dran sein, aber das gibt sich doch nix. Lustiger sind da schon die Beleidigungsklagen zwischen den beiden: denn wenn man sich mal Fotos ihrer Männerfreundschaft anschaut oder Maschmeyer als vorgeblichen Investor in einer Castingshow für Geschäftsgründer im Sessel rumgammeln sieht, dann weiß man sofort - diese beiden Kotzbrocken können eigentlich durch nichts mehr beleidigt werden als durch ihre pure Existenz. Mehr geht da nicht.

08.10.2016

Zuendedenken

Was den Nico da wohl laust? Ich bin ja nicht so gut in gemischten Gefühlen, aber heute hab ich da eine Mischung aus extremer Fremdscham und Autounfall-auf-der-Gegenfahrbahn-Gafferei. Wie man es halt kriegt, wenn man in der Zeitung liest, dass ein so berühmter Klassenkamerad wie Nico Fest, ex-Antiquitätenversteigerer und ex-Bildvizechefredakteur, offiziell der AfD beitritt und gleich mal einen lockeren Spruch raushaut: "Genauso wie ich Hakenkreuze und andere Symbole der Nazis nicht im öffentlichen Raum sehen will, möchte ich keine Symbole hier sehen, die für eine andere totalitäre Ideologie stehen." Womit er den Islam meint und deswegen seine Moscheen auch am liebsten aus dem deutschen Straßenbild entfernt sehen möchte. Gut, dass da jetzt wegen der Religionsfreiheit von Grundgesetz wegen sofort ein Aufschrei erfolgt, hat der schlaue Nico sicher mit einkalkuliert, wo genau aber nun die Grenze zwischen einer Religion (vom Glauben an eine unsichtbare Macht hingerissen?) und einer Ideologie (Versuch die sichtbare Macht an sich zu reißen?) verläuft, verrät uns der Sohn von Hitlers Biograf Joachim C. dann leider nicht. Was zu folgenden Wahrscheinlichkeiten in dem Festkopf führt: Alle Börsen und Bankentürme müssen gesprengt werden, denn sie sind Symbole einer totalitären Ideologie (Kapitalismus). Alle Kirchen und Dome müssen entfernt werden, denn sie sind Symbole einer totalitären Ideologie (Du sollst keinen Gott haben neben mir!). Ach ja, und alle AfD-Symbole müssen auch verschwinden. denn auch sie stehen ja für eine totalitäre Ideologie (Totale Scheiße, Dummland den Dummen etc.)

07.10.2016

Wer hat Angst vorm schwarze Katz

Woran man erkennt, dass es im Hirngebälk der Führungsheimer bereits deutlich knirscht? Wenn um irgendwelche Dinge, die immer völlig entspannt als was ganz normales, um nicht zu sagen etwas völlig unwichtiges angesehen wurden, plötzlich ein Riesenbohai gemacht wird. Da werden dann irgendwelche grauen Mücken zu weißen Elefanten gemacht. So wie jetzt beim IS, der in Mossul - ja, das ist die Stadt, die von der Allianz der Bessergläubigen als nächstes befreit werden soll (ein Satz wie vom Delphischen Orakel) -, also eben dort erlässt ein hoher Geistlicher des IS eine Fatwa gegen Kätzchen. Was nichts anderes heißt als dass jegliche Zucht und Haltung von Katzen nun nicht mehr halal und mit den Idealen des Islam zu vereinbaren ist. Und das kommt doch irgendwie überraschend. Vor allem für die Katzen, die noch vor zwei Jahren charmante Nebenrollen in einer Reihe von Rekrutierungsvideos des IS hatten und die sich nun von jetzt auf gleich als Ungläubige und Unreine ansehen lassen müssen. Und schon durchstreifen die topmutigen Krieger des IS Wohnhaus um Wohnhaus, um die gefährlichen Katzen aufzuspüren und zu märtyrern. Oder was man halt mit Katzen so macht, wenn einem die Maus des Wahnwitz wichtige Teile des Resthirns abgeknabbert hat.

05.10.2016

Kulturstreit bizarr

Von zuhause aus arbeiten? Hieß früher Tele-Arbeit, nennt man jetzt Home Office. Darf man das in einem normalen Wohngebiet? Das muss doch als Gewerbemischgebiet ausgezeichnet sein, damit man sich da als z.B. Ingenieur zuhause hinsetzen und ein paar Zeichnungen anfertigen darf, oder? Oder als Künstler zum Beispiel? Gut, das sieht jetzt auch nicht jeder als echte Arbeit an, aber wenn der im Wohngebiet seine Bilder malt? In einem Zimmer, das vom Bauplan eigentlich als Kinderzimmer ausgewiesen ist. Dann geht das eigentlich nicht.

So oder so ähnlich denkt sich das auch der Gemeinderat im bayrischen Ampfing, vor allem im Fall von Madame Natalie Hot, die sich in ihrem Haus vor laufender Kamera auszieht. Nennt man WebCam-Girl. Ist aber auch keine eingetragene Berufsbezeichnung. Und auch keine freiberufliche Tätigkeit, weil "nicht erkennbar ist, dass bei einem Erotikchat im Wege freier schöpferischer Gestaltung Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen der Hausnutzerin durch das Medium einer bestimmten Formensprache zur unmittelbaren Anschauung gebracht werden!"

Gut, vergessen wir mal den zweiten Teil des Satzes, denn es wird auf jeden Fall etwas zur unmittelbaren Anschauung gebracht, aber die Formensprache stammt eindeutig von Mutter Natur - zumindest in der Grundausstattung. Stellt sich vor allem die Frage der freien schöpferischen Gestaltung, die laut Nachbarn mit Licht- und Lärmbelästigung einhergeht. Da steht das Amt auf dem Standpunkt, dass es sich beim Nackertmachen eher nicht um eine freiberufliche Tätigkeit handele, "da auch hierfür ein gewisser Standard an individueller geistiger oder schöpferischer Qualifikation verlangt wird!" Was man jetzt nicht als Kriterium heranziehen dürfte, wenn es um Kunst ginge. Denn die ist ja bewußt frei von solchen Bewertungen durch irgendein bayrisches Prüderie-Amt. Steht zumindest im Steuerrecht. 
Ich wünsche mir jetzt schon, Böhmermann würde in diese schwierige Causa eingreifen und sich zuhaus künstlerisch wertvoll vor der WebCam räkeln, denn: Satire ist ja auch eine Kunst, gell?

03.10.2016

What the Farc?

Nach den Briten bekommen jetzt sich die Kolumbianer eine kleine Lektion in Sachen aktiver Demokratie verpasst. Nachdem Regierung und Rebellen ihren fünfzig Jahre währenden Bürgerkrieg mit einem in den letzten vier Jahren ausgehandelten Abkommen beenden wollten, stand nun gestern die Abstimmung der Bevölkerung über den Friedensvertrag an. Und weil wahrscheinlich der größere Teil der Wahlberechtigten davon ausging, dass man na logisch nach einem halben Jahrhundert Terror und Guerilla für den Frieden stimmen werde, und sich deswegen garnicht mehr die Mühe machte, zur Wahl zu gehen, schauen jetzt alle ziemlich blöd aus der Wäsche - so wie die jungen Briten, die auch mehrheitlich gegen den Brexit waren, aber am Tag des Referendums leider keine Zeit hatten, sich um ihre Zukunft zu kümmern. Und so triumphiert nun das Lager der Großgrundbesitzer um Expräsident Uribe, dem man getrost absprechen kann, irgendwie an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Landbevölkerung interessiert zu sein. Denn zwei Sachen sind ja mal wohl sonnenklar: Man kann keinen Friedensvertrag mit Leuten schließen, die das Ackerland umverteilen wollen; und man sollte keinen Friedensvertrag schließen, wenn es sich am Krieg besser verdienen lässt als am Ackerbau.

01.10.2016

Zuwanderungspolitik in ihrer ganzen Schönheit

Um eine in ihrer ganzen Konstruktion fast wunderbare Definition des Begriffs "zweierlei Maß" bereichert uns die ungarische Regierung des allseits stets zu Scherzen aufgelegten Victor Orban, der an diesem Wochenende sein aufgehetztes Volk gegen die durch die EU geforderte Flüchtlingsaufnahme entscheiden lassen will. Ein Referendum, bei dem ein großer Sieg für Orban vorausgesagt wird, weil ein Großteil der Regierungsgegner schon hat durchscheinen lassen, dass sie nicht teilnehmen werden; was in diesem Fall ein schlaues Manöver ist, weil mindestens 50% aller Wahlberechtigten abstimmen müssen, damit so ein ungares Referendum gilt. Es wird also nicht gelten. Sagt die Glaskugel des Blöden.

Noch weniger Zustimmung würde Orban bekommen, wenn seine Fans die Zweischneidigkeit seiner Politik begreifen würden. Tatsächlich hat Orban mit seinen Leuten ein einmaliges Zuwanderungsmodell geschaffen, weil man sich als Türke, Iraner oder Chinese für 300.000€ eine ungarische Staatsbürgerschaft leihen kann, in dem man über fünf zumeist in Steueroasen verteilten Agenturen ungarische Staatsanleihen erwirbt, die aus irgendeinem Grund, der in der wilden Fantasie von Orban begründet sein muss, nach fünf Jahren in eine ungarische Staatsbürgerschaft umgewandelt werden. Abzüglich übrigens einer Provision von 15 - 20 % für jene Verkaufsagenturen, deren Besitzer übrigens völlig unbekannt sind. So ist der Verkauf ungarischer Staatsbürgerschaften ein kleines einträgliches Geschäftsmodell, dass bei bisher 4000 "Einwanderern" für 1,2 Mrd Umsatz und 200 Mios Provisionen gesorgt hat; und nebenbei für einen freien Zutritt zum Schengenraum für - haha - eine ganze Reihe von wohlhabenden Muslimen und deren Angehörigen, die jetzt ungarische Papiere haben. Und jetzt bin ich mal gespannt, wem diese ominösen Agenturen gehören ... Wird sicher völlig überraschend sein ...

 

September

30.09.2016

Prolocaust

Öfter mal einen raushauen. Das kann kaum einer besser als The Donald. Außer man schaut mit der Achse des Blöden auch mal nach den Philippinen, wo der alterswilde Präsident Duterte seinen Verbalterrorismus gleichmäßig unter allen freiwilligen und unfreiwilligen Zuhörern verteilt. Da sind mal wahlweise der Papst oder Obama "Hurensöhne", die Vereinten Nationen ein Tratschladen, den man möglichst schnell verlassen sollte, dann ist der Holocaust exemplarisch als Endlösung für die Drogenproblematik in Manilas Umland und Präsident "Ich bringe Euch alle um!"-Duterte selbst so eine Art Nachwuchs-Adolf für alle Drogenhändler: "Hitler hat drei Millionen Juden massakriert. Wir haben etwa drei Millionen Drogensüchtige - ich würde sie mit Freuden abschlachten!". Gut, Hitlervergleiche gab es in der internationalen Diplomatie schon einige, aber Duterte dürfte der erste sein, der sich selbst mit dem GröFAZ vergleicht - und auch noch stolz darauf ist!

29.09.2016

Kann klagen

Hat sich ja unter Politikern schon lange rumgesprochen: echte Gesetze werden erst vom BGH oder EuGH gemacht. Alles, was vorher so in Parlamenten passiert, ist quasi nur Vorgeplänkel und dient mehr der politischen PR als der tatsächlichen Lösung eines Problems. So auch das Mautprojekt des irgendwie sonst recht unauffälligen Verkehrsministers namens Dobrindt (Name muss wegen völliger Unbekanntheit gesondert erwähnt werden), der sich selbst jetzt eifrig Beifall klatscht, weil die Europäische Kommission beschlossen hat, die Bundesregierung wegen der aktuellen Mautpläne des bis eben unbekannten Herrn zu verklagen. Denn eine Maut für alle Straßennutzer statt der Kfz-Steuer nur für Deutsche Staatsbürger einzuführen, und dann die Einheimischen genau in der Höhe der Maut von der Kfz-Steuer zu entlasten, das riecht für die Kommission irgendwie danach, als wolle man die ausländischen Kraftfahrer auf unseren Straßen diskriminieren. Und so eine Klage bringt dann doch ein Gesetz schneller zustande als mit diesem blöden demokratischen Klein Klein, gell!

26.09.2016

Fletchers Epigonen

Da glotzen wir seit Jahren irgendwelche Science-Fiction-Spionage-Filme, bei denen sich supergeheime amerikanische Geheimsicherheitsbehörden nach geheimen Belieben weltweit in Verkehrs- und andere Überwachungskameras reinhacken, um den Täter aufzuspüren oder ihm direkt eine Drone an den Hals zu klammern, und jetzt kommt raus, dass einer der auf der Welt erfolgreichsten Hersteller von Überwachungskameras in jeder einzelnen Kamera ein zusätzliches Hintertürchen nur für die amerikanischen Geheimsicherheitsbehörden eingebaut hat. Und das völlig ungeniert, denn genaugenommen weiß der BND das schon seit 12 Jahren, hat es aber nur vergessen zu erzählen. Zum Beispiel den vielen deutschen Firmen, die sich von den Lockangeboten von NetBotz haben überzeugen lassen, und nun feststellen, dass sich die NSA gerne mal in ihren sicherheitsrelevanten Labors und Werkstätten umsieht. Und auch die französische Firma Schneider Electric, an die die Amis NetBotz verkauft haben, weil man fand, dass die Leute die stets unter Wert angebotenen Kameras lieber bei Franzosen kaufen würden, wußte auch nichts von dem besonderen Feature. Denn die eigens für solche Fälle gegründete Cyber-Defense-Behörde ANSSI musste leider zugeben, dass sie noch nie eines der NetBotzgeräte tatsächlich untersucht habe. Warum soll man aber auch immer alle Menschen nur verdächtigen? Das vermiest einem doch nur den Alltag.

24.09.2016

Des Kaiser's neues Tengelmann

Die schon vor Jahren aus Notwehr fusionierte Supermarktketten Kaiser's Kaffee und Tengelmann stehen schon seit einiger Zeit nah am Abgrund. Auch die neue Kette war einfach zu schwach, um bessere Einkaufsbedingungen für sich auszuhandeln.  Die teure Ware blieb dann im Regal liegen, vor allem weil Kaiser's Tengelmann mit seinem Deppen-Apostroph nur in prekären Einzugsgebieten vertreten war. Und was macht der gewiefte Manager, wenn ums seinen Job geht. Er versucht seinen Laden zu verhökern und beim neuen Besitzer ein besseres Gehalt zu bekommen. Ein Plan, der schon auf dem Weg war: Edeka, übernehmen Sie! Und Edeka wollte auch. Aber das Kartellamt war - wahrscheinlich im Auftrag von Aldi - nicht sehr glücklich, und verbot die Übernahme. 
Aber dann: Auftritt Supergabriel, der Rächer aller zukünftig Arbeitslosen, übertrumpft das Kartellamt mit einer Ministererlaubnis, genaugenommen eine Wirtschaftsministererlaubnis. Edeka darf doch übernehmen. Oder nee, doch nicht. Sagt das Oberverwaltungsgericht Düsseldorf. Der Minister hat da seine Kompetenzen irgendwie so weit ausgedehnt wie seine Körpermitte. Also über die Grenzen des guten Geschmacks und der geltenden Gesetze (Ausnahme: das Gesetz der Schwerkraft) hinaus. Die Sondererlaubnis wird also kassiert. Und jetzt klagt Gabriel dagegen. Das übliche Hin und Her gut bezahlter Juristen. Unterdessen macht Kaiser's Tengelmann weiter Monat für Monat Millionen Verluste. Und es wird das voraussagbare üble Ende nehmen. Am Schluss bleibt nichts mehr übrig, was irgendwer noch niemand übernehmen wollte. Wie es halt immer so ist, wenn Super-Politiker eingreifen.

20.09.2016

Keine Drei Richtige 

Gerwald Claus-Brunner, an seinem stets akkurat um die Hirnwindungen geschlungenen Küchentuch auf Berliner Wahlplakaten leicht als selbsternannter Pirat zu erkennen, hat sich und einen Parteikollegen in die totale Opposition verabschiedet, und zwar in die Opposition zum Leben. Soweit so ungut, für alle, die Claus-Brunner trotzdem irgendwie ganz ok fanden. Sein Opfer Jan L. gehörte wohl nicht dazu, denn er hatte schon mehrfach Anzeige wegen Belästigung und Stalking gestellt. Zur Belohnung endete er leblos in einem Überseekoffer, in dem Claus-Brunner ihn vom Tatort in seine eigenen Wohnung rollte, bevor er da zur Sicherheit die Lottozahlen kontrollierte - für den Fall, dass sich das Weiterleben doch noch lohnen könnte - und sich dann selbst ins ewig göttliche Reich der Vernunft empfahl. Oder ins Fegefeuer. Oder wo man als Lottospieler und Pirat nachher halt so hinkommt.

17.09.2016

Scheiße in Gold machen

Was so ein bißchen an die Filme des spanischen Surrealisten Bunuel erinnert, soll aber doch eher vom franco-amerikanischen Künstler Marcel Duchamps beeinflusst sein, der schon vor 99 Jahren ein handelsübliches Urinal signierte und ausstellte (google Duchamps "Fountain"). In dieser Tradition hat das Guggenheim jetzt ein funktionierendes Wasserklo aus purem Gold mit dem Titel "America" in seinen Nasswellenbereich integriert, weil, wie der verantwortliche Künstler Cattelan sagt, "es Teil meiner Kritik an amerikanischer Besessenheit von Reichtum und Exzess" ist. Und damit meint er wahrscheinlich jene Besessenheit von Reichtum und Exzess, die ihm für eine wiederum eher an eine mittelmäßige Karikatur erinnernde Skulptur, die einen auf Knien betenden Hitler zeigt, jüngst 17,2 Millionen Dollar in die Taschen gespült hat. So einfach kann Provokation sein. Wieder was gelernt. 
Was der Künstler zu seinem Klowerk noch so zu sagen hat: "Was auch immer Sie essen, ob ein Lunch für 200 oder einen Hot Dog für 2 Dollar, das Ergebnis ist immer gleich!" Und hier offenbart sich die ganze Oberflächlichkeit von Mattelans Gedankenspielereien zur Kunst. Der hat offensichtlich keine Ahnung, wie die Scheiße zum Himmel stinkt, wenn man sich mal ein Jahr lang nur von 2-Dollar-Hotdogs ernähren kann. 

14.09.2016

Bakschischpalast

Mit der Bestechung ist das ja so eine Sache. Es braucht immer einen, der korrupt ist, und einen zweiten, der korrumpt ist. Also ein klassisches Geben und Nehmen zur Vereinfachung eines noch größeren Nehmens. Muss sich ja lohnen. Beide Seiten gehen natürlich ein inniges Verhältnis schon dadurch ein, dass sie sich nun für alle Zeit gegenseitig erpressbar machen. Umso schwieriger ist es natürlich, solche Bestechungen zu recherchieren und aufzudecken. Da braucht es einen Fuchs als Anti-Korruptionsbeauftragten, einen, der mit allen Wodkas gewaschen ist und jeden Kniff der Gauner kennt. Warum also nicht einen zum Gärtner machen, der sich mit Böcken auskennt. Zum Beispiel so einen wie Dmitri Sachartschenko, der sich - das dumme Wortspiel darf mal sein - nach Sache und Art mit Geschenken auskennt. Und so wird dann aus dem Pakt der Korrupten und Korrumpierbaren ein lustiges Dreiecksverhältnis, auch bekannt als "Teurer Dreier". Wenn der Anti-Korruptionsbeauftragte auch noch dazwischenpfuscht und die dreckigen Händchen aufhält. So wie der gute Dmitri. Blöd allerdings, wenn er als Leiter der Abteilung zum Kampf gegen Wirtschaftskriminalität nicht mitbekommt, dass sich mittlerweile Anti-Anti-Korruptionsermittler an seine Fersen geheftet haben. Am Freitag dann stürmten die zwei Wohnungen der Familie Sachartschenko und fanden sage und schreibe und lache Bargeld im Wert von 120 Millionen Euro fein säuberlich in Umzugskartons und Müllsäcken bis unter die Decke gestapelt. Da waren sogar die Anti-Anti-Korruptionsbeauftragten so verwirrt, dass sie Vladimir Putin persönlich über den Vorfall informieren und ihm möglichst schonend beibringen mussten, dass Mütterchen Russland irgendwie seit geraumer Zeit dann doch mit einem grassierenden Korruptionsproblem zu tun habe. Anscheinend. Also wahrscheinlich. Wenn Sachartschenko nicht noch nachweisen kann, dass die 120 Mios aus einer Bargeldlotterie stammen. Oder noch dringend gebraucht werden, um die nächste Fußball-WM fachgerecht abzuwickeln.

12.09.2016

Durch das wilde Kurdistan

Was macht eigentlich Eure Selbstherrlichkeit, der Zirkusdirektor vom fernen Land Tayyipistan? Ersetzt mal 28 gewählte Bürgermeister im Südosten, also im Kurdengebiet, durch Regierungsleute. Grund wie immer: "Das sind alles Terroristen!" Aber nein, "Das sind doch alles demokratisch gewählte Bürgermeister der Menschen hier", meint dazu der Parlamentsabgeordnete der kurdischen HDP, Nihat Akdogan: "Es kann nicht sein, dass andere Leute aufgrund zweier Unterschriften zu Bürgermeistern werden!

"Das kann sehr wohl sein!", sagt der kalte Mann vom Bosporus in der ihm eigenen Logik dazu: "Und es hätte viel eher passieren müssen!", denn das war früher schon sein Wunsch. Außerdem herrscht grade Ausnahmezustand. Und das passt doch ganz gut zu so einem Ausnahmeherrscher. Und so kehrt sicher bald Frieden ein in der wunderbaren Tückei, denn es hat sich schon immer als friedensstiftend erwiesen, eine Minderheit von 15 Millionen zu unterdrücken. Klappt immer. Man muss halt nur mal in den Kurdengebieten außerhalb der türkischen Grenzen aufräumen. Also irgendwann einmal. Wenn mal wieder keiner so genau hinguckt.

06.09.2016

hihi mmpppfff haha haha hahaha 

Gut! dass so mancher Mann beim Anblick einer schönen Frau einfach nicht an sich halten kann, scheint eine auch durch Kultur unausrottbare Krankheit zu sein. In den USA weiß man sich da mit klassisch kapitalistischen Strafen zu helfen, zumindest am oberen Ende der Armutsüberwindungsskala. So muss der Fernsehsender FOX nun seiner ehemaligen Starmoderatorin Gretchen Carlson mal eben 20 Millionen Dollar überweisen, weil sie von ihrem Chef Roger Alles unter Androhung größerer Karrierechancen zu körperlichen Gefälligkeiten überredet werden sollte.
Im Lande des Herrn Allah soll ja die Ganzkörperverpackung solche Übergriffe schon im Vorfeld verhindern. Was jetzt auch nicht so überall gut ankommt, hält der westlich aufgeklärte Textilphobiker Burka und Burkini doch für Waffen der Unterdrückung der Frau, vor allem am Strand und in der Küche. Befürworter und Gegner streiten sich seit Wochen über Vor- und Nachteile eines Vermummungsverbots. Und was passiert dann? mmmpppffff ... Ausgerechnet der Islamische Staat ... mmpf ... verbietet jetzt die ... hihihi ... die Burka aus ... haha ... Sicherheitsgründen in Sicherheit- und Militäreinrichtungen, weil mehrere in Vollverschleierung getarnte Frauen zuletzt ... bbooaaahhhahaha ... eine Reihe von hochdekorierten IS-Kommandanten abgemurkst haben ... muhahhahhaahihihihi ... sorry, ich ... kann ... net ... mehr!

04.09.2016

Hihi, er hat Einsamen  gesagt

Wer solche Sätze sagt wie: "Im Gegensatz zu echten Prostituierten müssen Roboter nie etwas vorspielen. Und niemand muss bei ihnen fürchten, sich für seine sexuellen Vorlieben zu blamieren!", scheint ja die ein oder andere unliebsame Erfahrung in der Richtung gemacht zu haben. Oder er ist wie John Danaher Juraprofessor an einer irischen Universität, hat durch Zufall mal von den RealDolls des Sexspielzeugfabrikanten McMullen erfahren und ist von den rechtlichen Aspekten des Roboterficken total fasziniert: "Sex-Dienstleistungen durch Roboter sind völlig legal. Sie sind ein effektives Mittel gegen Sexsklaverei und Menschenhandel. Und sexuell übertragbare Krankheiten werden vermieden!"
Also alles töfte in der Welt der klinisch und juristisch korrekten Maschinenmasturbationshilfen, denn laut Danahers Glaskugelschau wird man die illegale Prostitution und ihre frauenverachtenden Zuhälterei durch einen ausgebauten Maschinenpark und ein paar Nerds (Fuckibility Manager) ersetzen können. Problem gelöst. Wäre da nicht McMullen mit der Drohung seine Sexroboter demnächst mit künstlicher Intelligenz auszustatten, so "dass sie ihre Nutzer zurücklieben können! Das eröffnet Einsamen völlig neue Möglichkeiten!" Und es wirft wahrscheinlich juristisch neue Fragen auf: Wenn die RoboDolls dann intelligent sind, dürfen sie sich dann gegen Sex mit Menschen wehren, die Sex mit Maschinen haben wollen? Und heißt dann Nein immer noch Nein!

01.09.2016

Geschichte wiederholt sich

Gut, dass das schwache Gedächtnis irgendwann wieder den Status einer Volkskrankheit erlangt, war ja irgendwie zu erwarten. Man muss sich sich ja auch nicht immer an alles so erinnern können. Deswegen mal zur Verdeutlichung: hätte es die Achse des Blöden vor 75 Jahren schon gegeben, hätte sie sich sicher darüber lustig gemacht, wie verzweifelt sinnlos ein Regime sein muss, um Mitmenschen sechszackige gelbe Sterne ans Revers zu heften - und nein, ich rede nicht von John Wayne. Obwohl, so ein bißchen John Wayne scheint ja auch in Herrn Trumps Hinterstübchen herumzugeistern, wenn am Vormittag in Mexiko bei Staatschef Nieto nochmal sein Mauerprojekt verteidigt und am Nachmittag in Arizona öffentlich erklärt, dass Mexiko für diese Mauer zahlen werde: "Sie wissen es nur noch nicht!" Um dann direkt anzukündigen, 11 Millionen illegale Einwanderer wieder nach Hause, also nach Mexiko, zu schicken. Und man könnte fast drauf wetten, so wie er das Wort Mexikaner ausspricht. das erste was er nach seien Amtsantritt tun will, ist: alle Mexikaner müssen sich so einen gelben Burrito ans Revers nähen. Mit Chilis. und Guacamole! Damit man sie besser von den anderen 100 Millionen USAmerikaner spanischer Herkunft unterscheiden kann.

 

 

August

29.08.2016

Erste Runde in Sicht

Der Scherzengel der SPD hat am Wochenende mal wieder eine Überdosis Sprechperlen geschluckt und zu einem großen Rundumschlag gegen alle, die er nicht mag - inklusive sich selbst - ausgeholt. Wie immer hauptsächlich die Luft gehobelt. Was nicht heißt, dass die verfehlten Hunde nicht trotzdem bellen würden. Egel ob es da um die Flüchtlingspolitik der Regierung, in der Freund Gabriel ja auch selber irgendwie mit drin sitzt, oder um das geheimnisumwobene  Freihandelsabkommen mit den USA geht. Gut, ein paar Stinkefinger hat Gabriel zwischendrin auch noch gezeigt, die aber immerhin den richtigen Leuten. Alles in allem ist man sich in der Szene unabhängiger Beobachter aber einig, dass "die dicke Schwester von Roy Black" (wie man in unabhängigen Kabarettkreisen sagt) sich damit schon mal für den nächsten Wahlkampf platziert - gegen sich selbst. "Bodenlose Unverschämtheit", findet CDU-Generalsekretär Tauber.  "Unverantwortlich", meint Union-Fraktionsvorsitzender Fuchs. "Schwer erträglicher Eiertanz", findet wiederum Tauber. Und ja, wenn man sich diese Vokabeln so ansieht, das klingt doch schon ganz nach Wahlkrampf!
Äh, worum ging's eigentlich? Ah, der Wirtschaftsminister sieht "TTIP als de facto gescheitert!". Nun, wenn dem so ist, dann gilt er als Wirtschaftsminister nach Vorstellung der Koalitionspartner zwar als Null; aber als Verbraucherschutzminister hat er dann doch einiges erreicht, oder?

25.08.2016

National Rubber Association 

Erkenntnisse wissenschaftlicher oder einfach nur statistischer Art haben es ja auch nicht immer leicht in den USA: Auf jede berechtigte Selbstverteidigung mit einer Schusswaffe kommen demnach 34 Morde mit Handfeuerwaffen, 78 Selbstmorde und zwei Unfälle mit Meuchelpuffern, die von spielenden Kindern aus Versehen auf ihre Geschwister oder Eltern gerichtet werden. Eine andere Studie belegt, dass allein das Herumtragen einer Waffe die Chance selber erschossen zu werden, drastisch erhöht.  

Weder die eine noch die andere wissenschaftliche Erhebung konnte die texanische Regierung davon abhalten, am 05. August das offene Tragen von Waffen für quasi jedermann wieder zu erlauben. Daraufhin hat sich eine sehr humorvolle Protestbewegung mit dem sehr ernst gemeinten Namen CocksnotGlocks gegründet, um darauf hinzuweisen, dass das offene Tragen eines Sexspielzeugs an texanischen Universitäten verboten ist, wohingegen nun jeder Nerd wie John Wayne mit Colt und Halfter auf dem Campus rumstolzieren kann. Um den Protest zu unterstützen, "bewaffneten" verschiedene Hersteller von Sexspielzeugen die Studenten mit 4000 Gummidildos. Endlich eine Industrie, die der allmächtigen Waffenlobby die Stirn bietet. Es geht voran.

16.08.2016

Neue Runde

Laut einem kleinen Arbeitspapier, das eine Anfrage der Linken im Bundestag bezüglich der Einschätzung der Türkei beantworten sollte, sieht die Bundesregierung dank Informationen des sicherlich besten Bundesnachrichtendienstes der Welt wenn nicht gar Mitteleuropas das Land am Bosporus als "zentrale Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen". Was nichts anderes heißt als: Seit Jahren sei es bewusste Politik der türkischen Regierung und ihres Sultanators mit islamistischen und terroristischen Organisationen zusammenzuarbeiten und diese bei ihren unblumigen Treiben zu unterstützen. Okay, find ich jetzt nicht so überraschend. Überraschend ist eher, dass hier das Innen- (CDU) statt das Außenministerium (SPD) so indiskret geantwortet hat. Das wird sicher noch ein wenig Knatsch geben: Steinmeier gegen De Maiziere (Autokorrektor schlägt Maiziege vor, und Autokorrektor weiß gar nicht, wie nah es diesmal an der Wahrheit ist) und dann beide gegen Erdogan und Yildirim. Das wird lustig.
Lustig, denn die beiden Pat und Patachon von Ankara werden sich eine solche Einschätzung nicht gefallen lassen; schon, weil ihr Geisteszustand nicht anderes zulässt. Und wie es um den bestellt ist, lässt sich leicht an einem Prozess gegen den früheren Mitstreiter und nun Erzfeind Gülen erahnen: denn wenn ein bestellter und gut gebriefter Staatsanwalt für ein und dieselbe Person "zweimal lebenslänglich plus 1900 Jahre Knast" fordert, dann wird man hierzulande ja eher in eine weiche Zelle gestellt und mit ein paar Glücklichmachern behandelt.

15.08.2016

Wie man die dritte Welt veralbert

So als moralisches Gegengewicht gegen das Klassentreffen der Weltwirtschafter im winterlichen Davos (Welt Asozial Forum) haben Globalisierungskritiker 2001 das Weltsozialforum ausgerufen und seitdem das Treffen immerhin elfmal in verschiedenen Drittweltländern organisiert. DieTeilnehmerzahl schwankte zwischen 50.000 bis 60.000 Menschen. Bis dato. Denn dieses Jahr hat man sich mal zum Klönsnack in einer der Industrienationen verabredet. Leider konnten hier nur knapp die Hälfte der Sozialfreunde teilnehmen, denn die Reise nach Canada war zu teuer, die Hotelzimmer in Montreal zu teuer, die von der Heimat geliebten Gewohnheiten zu teuer. Das wäre schon mal ein Unterschied zu Davos und dessen reicher Kundschaft. Ein zweiter kommt aber noch viel schwerwiegender hinzu: diese ganzen Sozialromantiker aus den letzten und ärmsten Ecken der Welt bekamen schlicht uns einfach keine Visa von den kanadischen Behörden, denn immerhin besteht ja die Gefahr, dass es diesen am´armen Weltpöbel in so einer Industrienation plötzlich viel besser gefällt. Und dann hat man zwar die Grobalisierungs-probleme nicht gelöst, aber 30.000 Neubürger mehr auf der Backe. Und das will so keiner. Damit hat das Weltsozialforum eines ihrer wesentlichsten Ziele erreicht: mal zeigen, wie ungerecht es auf dieser Welt zugeht! Und die Industrienation hat gezeigt, wie das am einfachsten funktioniert!

12.08.2016

Drecksbiest

Was wohl so ein heterosexueller Familienvater wie Nico Hines sagen würde, wenn man seinen Kindern mal sein Profil auf der von homosexuellen Männern genutzten Dating App Grindr zeigt. Auf dem Schulhof. So, dass es alle Mitschüler mitkriegen. Und dann deren Eltern. Na, nee, sowas würde man ja als anständiger Mensch nicht machen. 

Umgekehrt hat Nico Hines aber tatsächlich ein Profil auf der schwulen Kontaktbörse angelegt, und zwar ausschließlich um damit Athleten im Olympischen Dorf in eine Falle zu locken und sie dann in einem Artikel für das Quatsch- und Klatschportal "The Daily Beast" de facto zwangszuouten. Schlimm genug an sich, aber nochmal schlimmer, weil es sich teilweise um homosexuelle Sportler aus Ländern handelt, in denen Schwule von homophonen Idioten und religiösen Fanatikern gemobbt, bedroht oder sogar strafrechtlich verfolgt werden. Toll gemacht, Herr Hines, Respekt. Das muss man Ihrem oben am Hals angebrachten Journalistenschwellkörper schon lassen: Clever recherchiert und für ein paar hundert Dollar und soundsoviele Klicks einfach mal ein paar Menschen angeprangert und in große Gefahr gebracht. 

Kleines Problem dabei, Ex-Herr Nico Hines: mit ihrem Schmierfinkengeschreibsel haben sich jetzt ebenfalls zwangsgeoutet - und zwar als unfassbar großes Arschloch und einer der peinlichsten Journalisten, die es gibt. Und darum wünsche ich Ihnen das beste, was man so einem Vollholk wie Ihnen wünschen kann: Mögen Sie sich bald halsüberkopf und gegen ihre bisherige Orientierung in einen Mann verlieben. Einen, der Ihren Artikel gelesen hat!

Juli

31.07.2016

Ein Eigentor von größer Schönheit

Sich schön den Ball zurecht gelegt, Anlauf genommen wie die Gelzicke Ronaldo persönlich, voll gegen die Pille getreten und den Treffer im Netz versenkt. Dann aber leider festgestellt, dass es sich um das falsche Tor gehandelt hat. So ungefähr kommen sich da jetzt wohl einige Leute bei der weltweit größten Bilddatenbank Getty Images vor. Haben sie doch eine Dame namens Carol M. Highsmith wegen nicht gezahlter Lizenzgebühren verklagt, weil sie auf ihrer Webseite Bilder benutzt hat, die Getty in seiner Datenbank hatte. Wie sich dann aber rausstellte, hat Getty in seiner bilddatenkrakenartigen Beschaffungswut einfach mal die betreffenden Bilder von Frau Highshmith kostenlos eingesaugt, und wollte dann von ihr, der Fotografin ihrer eigenen Bilder, Lizenzgebühren haben. Dadurch auf diese unglaublich unverschämte Geschäftspraxis von Getty aufmerksam gemacht, hat nun Frau Highshmith wiederum Getty wegen Raubkopie, Lizenzunterschlagung und wahrscheinlich auch Dummheit verklagt - und was man so aus Anwaltskreisen hört, hat sie da gar nicht mal so schlechte Chancen.

26.07.2016

Zellteilung 

Was sich vor gar nicht so langer Zeit durch den Rauswurf des Parteigründers Lucke schon angedeutet hat, setzen die Politclowns von der Albernaive für Dunkelland nun auch konsequent im Stuttgarter Landtag fort. Als allererste Partei in der Geschichte tritt die AfD nun mit zwei Fraktionen im Landtag an. Die sich grade herausgesplitterte Alternative für Baden-Württemberg wird tatsächlich als zusätzliche Fraktion anerkannt. Man kann das ganz einfach damit erklären, dass sich die Alternativ-Nasen einfach untereinander nicht wirklich einig sind, gegen was ihre Protestpartei eigentlich protestieren will. Mann kann sich aber noch einfacher mit den guten alten Politikertugenden Neid und Habgier erklären, denn ein Fraktionschef erhält nochmal zusätzlich 125% seiner Diäten, ein parlamentarischer Geschäftsführer 50% Aufschlag, ein Fahrer für den Fraktionschef kostet 3000€ Monatslohn und die ganze Fraktion bekommt nochmal einen Grundbetrag von 40.000€ monatlich in die Socken geschoben. Macht summa summarum mehr als 675.000€ im Jahr für eine Fraktion aus ein paar Freibiergesichtern. Bämm. So macht Politik doch Spaß. Bzw. so lohnt es sich doch erst! 

18.07.2016

Wurfgeschosse

Es gibt ja in Ohio kein Gesetz, dass das offene Tragen von Tennisbällen und Konservendosen ausdrücklich erlaubt. Deswegen ist es auch kein Problem, das Tragen dieser gefährlichen Angriffswaffen während des großen Trumpzugs namens republikanischer Parteitag mal für einige Tage zu verbieten. Mit Feuerwaffen sieht es da etwas anders aus, denn seit Gouverneur Kasich 2012 die Waffengesetze gelockert hat, darf jedermann in Ohio seine Waffe verdeckt bei sich tragen. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem in den USA das gezielte Erschießen von Polizisten grade in Mode kommt. 

Das ist wiederum ist für den Polizeichef von Cleveland, Williams ein echtes Problem, denn er muss in den nächsten Tagen mit 5000 Polizisten die Wahlkampfkasperei der Republikaner schützen. Nach dem Anschlag in Nizza wurden jetzt sogar Betonsperren gegen durchbrechenden Lastwagen installiert, vor allem gegen die, die Konservendosen mit Tennisbällen geladen haben. Gegen einen durchbrechenden Donald haben sie aber noch keine angemessenen Maßnahmen entwickelt. Man kann schon wieder spüren, wie sich da so ein Stimmungsherd des Blöden entwickelt. Wie magisch. Um Trump herum.

Apropos Herd und Herdtier: Future-First-Lady Melanom Trump glänzte bei ihrer Rede mit lächerlicher Aussprache und schlechten Kopien: mehrere zentrale Sätze ihrer Vorstellungsrede stammen 1:1 aus einer Wahlkampfrede von Michelle Obama aus dem Jahre 2008. Peinlich peinlich. Somit ist seit heute klar, es gilt nicht nur den Donald als Präsi sondern auch Frau Melanom als First Lady zu verhindern. Als Lady hat sie sich ja schon verhindert.

16.07.2016

Kaputsch

Grade erst angefangen, schon isser wieder vorbei. Der anscheinend etwas dilettantisch vorbereitete und auch nicht wirklich durchdachte Staatsstreich gegen die Ein-Mann-Regierung Erdogan ist keine 16 Stunden später schon Geschichte. In Zeiten des Internets und der mobilen Datendienste reicht es nicht mehr, den staatlichen Fernsehsender zu besetzen und selbst mal eine Nachrichtensendung zu produzieren, in dem man die Regierung für abgesetzt erklärt. Trotz Kriegsrecht und Ausgangssperre stellten sich zigzehntausende, durch einen Massen-SMS zum Widerstand aufgerufenen Türken den Panzern und Militärfahrzeugen entgegen und brachten den Putschversuch auf der Straße zum Stillstand. Viele Soldaten gaben nach Stunden der Belagerung mehr oder weniger achselzuckend ihre Waffen ab.  

Nach den ersten Ankündigungen der siegreichen Regierung markiert der gescheiterte Militärputsch nun wahrscheinlich nicht anderes als den Anfang einer weiteren Phase der "Säuberungen". Erdogan und Yildirim sprechen von "Krebsgeschwüren, Viren und Krankheiten, die nun ausgemerzt werden müssen" und schreiten gestärkt zur Tat. Durch eine unfassbar schnelle Recherche der Geheimpolizei ermöglicht, wurden heute bereits 2700 Regierungsgegner aus ihren Stellungen als Richter und Staatsanwälte entlassen. Einen direkten Zusammenhang mit dem Militärputsch ist da zwar nicht zu erkennen, aber egal: wer keinen Mitgliedsausweis der Partei hat, ist in solchen Positionen nicht mehr gelitten. Weitere Entlassungs- und Verhaftungswellen werden nicht lange auf sich warten lassen. Wir Deutsche kennen dieses Vorgehen ja noch aus unserer Geschichte. Bin gespannt, wann das erste Schaufenster beschmiert wird: Türken, kauft nicht bei Kurden!

11.07.2016

Poke Mongo 

Immer wieder erstaunt darüber, wie die kindische Spielsucht auch bei Erwachsenen das Stammhirn überrennt. Seit dem Verkaufsstart rennen in Amerika Horden von Menschen starr auf ihr Handy fixiert durch die Gassen und suchen nach kleinen japanischen Minimonstern, die sie in ihrer App erledigen können. Dummerweise hat die interaktive Software einen kleinen Makel, denn sie erlaubt Mitspielern so in das Geschehen einzugreifen, dass man wildfremde, mit ihren Augen ans Display genagelte Menschen damit an entlegene Orte lotsen und dort in Ruhe ausrauben kann. Innerhalb weniger Tage ist die Zahl Pokemon Go bezogener Straftaten deutlich angestiegen. Jetzt fiebern die deutschen Banden dem offiziellen Start der Spielsucht in unseren Gefilden entgegen. Wir empfehlen: begeben Sie sich nur in kleinen Gruppen von etwa 6 - 12 Mitspielern auf die Suche und meiden sie die kleinen grünen Monster. Und dunkle Unterführungen. Oder werfen Sie Ihr Handy weg.

05.07.2016

Sekretservice

Tja, da sind wohl einige Körperflüssigkeiten mit den knapp hundert Absolventen der Geheimdiensthochschule des Federalnaja Sluschba Besopasnosti durchgegangen. Das war keine schlaue Idee der Generation Selfie: ihren Abschluss nach fünf Jahren Studium des Geheimen mit einem dreispurigen Autokorso und laut grölenden Gruppenbildern zu feiern, spricht nicht gerade dafür, dass man das Konzept Geheimagent geistig so richtig durchdrungen hat. Was die da wohl fünf Jahre lang gelernt haben? Das fragt sich auch schon mal der ehemalige FSB-General Alexander Michailow: "Ich werde zwar den Skandal nicht anheizen, aber ich sehe es schon als meine Aufgabe, dass diese Idioten nicht in den Dienst aufgenommen werden!"

Gut, für den chinesischen Geheimdienst sehen die Russen zwar alle gleich aus, aber man kennt doch jetzt auch im Westen ihre Gesichter, kann dank Facebook auch teilweise die Namen zuordnen und jedermann weiß jetzt, dass der SFB jede Menge schwarzer Mercedes-Jeeps hat. Und mal kurz zusammengefasst, handelt es sich hier genaugenommen schon um Verrat. Tja, der werden wohl einige nicht sehr zufrieden mit ihrer ersten Einsatzstelle in Nordsibirien sein - wenn sie überhaupt noch in den Dienst übernommen werden. 

Juni

28.06.2016

Sex 'n' Drugs 'n' Rock'n'Roll

Korruption, Spendenunterschlagung, Drogen und Sexskandale - was sich wie das Repertoire einer beliebigen politischen Partei anhört, ist in diesem Fall ein Blick in die buddhistischen Klöster des militärisch geführten Königreichs Thailand. Abt Phra Dhamachaya zum Beispiel hat 11 Millionen Euro an Spendengeldern unterschlagen. Den Haftbefehl traut sich die vorm Kloster aufmarschierte Polizei aber nicht durchzusetzen, da ihnen die Mönche zu hunderten betend und singend gegenüberstehen und den Abt nicht rausrücken wollen. Immerhin ist der ja ein heiliger Mann. Und mit Waffengewalt durch die Wand der singenden Mönche zu brechen, macht auch keine gute Presse. Die Kosten für das PR-Desaster würden wahrscheinlich die 11 Mios übersteigen.
Besser geklappt hat das kürzlich beim sogenannten Tigertempel, dessen Mönche stets behauptet haben, der bedrohten Großkatze einen sicheren Unterschlupf zu gewähren. Stattdessen betrieben sie einen florierenden Schwarzhandel mit Tigerprodukten, die - das ist alte asiatische Tradition - natürlich die Potenz stärken. Oder von Haarausfall heilen. Beides Dinge, für die man in einem buddhistischen Kloster sowieso keine Verwendung haben sollte. Aber wer weiß, vielleicht sind die Mönche ja nur drauf gekommen, dass man erstmal das opulent ausschweifende Leben des jungen Prinzen Siddharta führen muss, bevor man wie er unterm Feigenbaum zum Buddha werden kann ... öh, könnte ... also vielleicht - oder im nächsten Leben!

27.06.2016

Next Brexit

Angesichts des anscheinend sogar für die Befürworter des Brexit überraschenden Abstimmungsergebnisses macht sich allmählich Panik breit. Eine erkleckliche Anzahl von Menschen, die dafür waren, zweifeln jetzt daran, ob sie ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle gemacht haben. Und wie das in unserer wunderbaren Datenwelt so ist, hat Google heute gepetzt, dass erst in der Nacht nach dem Urnengang die Suchergebnisse nach den möglichen Folgen des Austritts und der Bedeutung dieses Schrittes plötzlich in die Aberzigmillionen gingen. Was nichts anderes heißt, dass Millionen von Briten erst abgestimmt haben, und dann mal gegoogelt, worum es eigentlich ging. Begleitet von einer online-petition, bei der sich in zwei Tagen neben 4 Millionen Briten auch 70.000 Vatikaner und 20.000 Nordkoreaner für eine Wiederholung des Referendums aussprechen, Anzahl steigend. Darunter viele junge Briten zwischen 18 und 24, die jetzt über den Verrat durch die Senioren komplett entsetzt sind; Junge Menschen, die lieber in Europa bleiben wollen, von denen aber auch nur ein Drittel zur Wahl gegangen ist. Woran jetzt wieder die Alten nicht Schuld sind. 
Gleichzeitig beraten die verschiedenen Politiker und Juristen darüber, wie man das Votum am besten wieder aushebeln könnte; zum Beispiel durch Neuwahlen unter dem deutlichen Vorzeichen, damit auch eine zweite Abstimmung über den Austritt zu verbinden. 
Unterdessen - und nein, man kann das nicht liegenlassen, auch wenn es wahrscheinlich nix mit Politik zu tun hat - schafft die englische Nationalmannschaft Fakten auf dem grünen Rasen der Europameisterschaft und unterliegt den Kickern von Fußballzwerg Island mit derselben Ratlosigkeit und verzweifelten Verwirrung, die auch die englische Politik nach wenigen Tagen der Scheidungsabstimmung an den Tag legt. So 'ne Art Brexit 1:2!

24.06.2016

Last Brexit Europe

Am frühen Morgen bestätig das Wahlamt, was sich im Verlauf der Nacht schon abgezeichnet hat. Ein Großteil der Ü50-Jährigen wollen das England ihrer Jugend zurück. Zu Lasten ihrer Jugend von heute, die mehrheitlich lieber in der EU geblieben wären. Wie übrigens auch Schotten und Nordiren, denen ihre zahlenmäßige Unterlegenheit gegen die englischen Nostalgiker und Seniorenhorden nun zum Verhängnis zu werden droht. Wie auch den Londonern, bei denen sich schon erste Witzbolde zu Wort melden und ein Referendum über den Verbleib Londons in Great Britain verlangen. Der Wirtschaft der Stadt - bisher vor allem im Finanzsektor davon abhängig, entweder die Europäer mit seltsamen Finanzderivaten und anderen Spekulationen auszunehmen oder sich von ihnen retten zu lassen - winken so viele Nachteile, dass man sich lieber von der Landschaft drumherum trennen möchte als vom so extrem nützlichen Wirtschaftsraum. 
Aber apropos: großes Britannien. Vielleicht wird es ein bißchen kleiner, denn nun überlegen auch die Schotten, ihr 2014er Referendum zu wiederholen und sich vielleicht doch von England abzuspalten, samt ihren Erdölvorkommen. Im Zug dieser Umwälzungen wird es sicher nicht lange dauern, bis jemand auf die Idee kommt, dass sich Nordirland auch endlich mal verselbstständigen und sich mit seinem natürlichen Bruder Irland wiederzuvereinigen. 
Für die Europäer ist das natürlich sehr ärgerlich. Man hätte sich sicher gewünscht, die anstehenden Veränderungen gemeinsam mit den Briten innerhalb der EU auszufechten. Auf der anderen Seite sind einige auch froh, dass die Inselkasper mit ihren andauernden Extrawürstchen in Zukunft den Betrieb nicht mehr stören. Und wenn sie in 20 Jahren wieder angekrochen kommen, werden sie ein ganz normales Mitglied ohne Sonderkonditionen werden. Auch gut.

12.06.2016

Keine Lust

Das Blöde daran, das Weltgeschehen Tag für Tag für die Achse des Blöden nach weiteren Blödheiten absuchen zu müssen, dass manche Vorfälle so blöd, aber gleichzeitig als Nachricht so unumgänglich sind, dass man unbedingt was dazu schreiben muss. Oder man lässt es. Man erwähnt so einen Wahnsinnsmassenmörder einfach nicht. Nichts von Orlando. Oder von der Disco Pulse. Nichts davon, wie viele Geisteskrankheiten da wohl wieder gleichzeitig zusammengekommen sind. Nichts davon, dass so ein gestörter Psycho in den USA einfach in einen Waffenladen gehen und sich ein Sturmgewehr kaufen kann. Und auch kein Wort davon, dass so ein Volldrumpf wie dieser Präsidentschaftskandidat gleich wieder rumkrakeelt, die halbe Welt in Sippenhaft zu nehmen. Sag ich kein Wort dazu. Schreib ich nichts zu auf. Obwohl, eine Kleinigkeit muss man schon erwähnen. The Donald hat Obama deswegen zum Rücktritt aufgefordert. Ja, wassen? Ist der Präsident jetzt für jeden einzelnen Irren in seinem Land zuständig? Eben nicht. Und da sollte der Herr Drumpf eigentlich sehr froh drüber sein. Sonst würde ihn Obama lieber gestern als heute aufm Verkehr ziehen und in einem extrastabilen Jackett mit praktischen Verschlüssen an jedem Ärmel auf unbestimmte Zeit in einen sehr weichen Ort verbringen lassen.
Apropos Zwangsstörung: Während vereinzelte Regierungen islamischer Länder den USA brav kondolierten, geht der Tenor in radikalislamischen Netzen doch eher in Richtung: Auf Homosexualität steht im Koran doch sowieso die Todesstrafe - warum also die ganze Aufregung? Und auch dazu sage ich besser nix. Obwohl, eine Frage hätte ich dazu: was steht denn im Koran zum Thema Allumfassende Dummheit? Nix? Ach so, dann nix für ungut ...

06.06.2016

Bluttest versus Urintest

Er kreiselt, er taumelt, aber er fällt noch nicht. Also fällt nicht wirklich, sondern nur zunehmend unangenehm auf. Und das ist ja vielleicht garnicht schlecht so: wie auch dieser Nationalismusverteidiger Gauland, der so ungern neben unserem Nationalverteidiger Boateng wohnen möchte, und sich gestern im Fernsehen um Kopf und Kragen geredet hat. Ja, die Dummheit bahnt sich am Ende immer ihren Weg und der führt meist über die Zunge.

So auch wie bei Keule Sultan von Osmaniakkistan, der - immer noch schwer gezeichnet von der Armenien-Resolution des Bundestags - wahllos Drohungen, Verfluchungen und Abstammungstheorien durch den Äther seiner eigenen Fürze verschallt. Und wenn es Leute gab, die es wie bei Gauland nicht nicht so ganz verstanden hatten, so sollte spätestens jetzt auch in schlecht unterrichteten Ziegenliebhaberkreisen ganz klar sein, wes Ungeistes Kuckuckskind Freund Zeitgeist der Türkei da ins Nest gelegt hat. 
Und so muss mal wieder die Achse des Blöden die ganze Arbeit fast alleine machen und die Kastanien aus dem Eisfach holen: Also mein lieber Herr Kapüttnök, vor unserer eigenen Türe wurde schon kräftig Kehrwoche abgefeiert und auch das von Ihnen angesprochene Massaker an den Herero während der Kolonialzeit in Deutsch Südwest wurde bereits von Bundestagspräsidenten Lammert als Völkermord geächtet. Und ja: wir schämen uns auch hundert Jahre später. Punkt für uns. Oder ok, sagen wir mal ein halber.

Der Knüller ist aber, von türkischstämmigen Bundestagsmitgliedern Bluttests zu verlangen, um zu überprüfen, ob sie überhaupt "Was denn für Türken bitte?" (O-Ton Erdogan) sind. Denn Bluttests zur Feststellung der Nationalität sind ungefähr so sinnvoll wie Urintests an Präsidenten: dabei kommt höchsten bei raus, wer welche Tabletten genommen hat. Und wer vergessen hat, seine zu nehmen.

04.06.2016

Cassius Clay

Ja, na gut, wenn man Boxen für nen tollen Sport hält, muss man wohl auch Cassius Marcellus Clay für einen großen Sportler halten. Mir persönlich ist er ja mit seinen ewigen Großgemaule ganz schön auf den Keks gegangen, aber er hat auch großartiges gemacht; wie zum Beispiel den Kriegsdienst in Vietnam zu verweigern mit dem Hinweis, dass er persönlich mit dem Vietcong keinen Streit habe. Guter Mann. Daraufhin wurden ihm Weltmeistertitel und Boxlizenz entzogen und vier Jahre später von einem Gericht wieder zugesprochen. Was es ihm ermöglichte, die alte "they never come back"-Regel für Boxweltmeister zu brechen. Ohne diesem Umstand wäre er wahrscheinlich einfach immer Weltmeister geblieben. Denn er war schon sehr gut. Sagen auch die Boxexperten. Etwas fragwürdig bleibt jedoch sein Übertritt zum Islam, bei ebenjener Gelegenheit er seinen - wie er sagte - Sklavennamen Cassius Clay abzulegen, sich fürderhin Muhammad Ali zu nennen und sich damit der wahrscheinlich einzigen verbliebenen Religion anzuschließen, die in ihrer heiligen Schrift die Sklavenhalterei für irgendwie akzeptabel erklärt. Aber gut, das ist ja Privatsache. 

01.06.2016

Eine kurze Geschichte der Sprache
Stephen Hawking, von vielen als eines der größten lebenden Genies verehrt, wird von Anhängern des Fiffikopfs Trump seit heute irgendwie mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Hat sich der alte Physiker doch in einem Fernsehinterview zu ihrer Lieblingscomicfigur geäußert und nennt dabei The Donald "einen Demagogen, der anscheinend auf den kleinsten gemeinsamen Nenner abzielt!" Darauf rauschten erst bei Google die Suchanfragen nach "demagogue", "denonimator" und "Stephen Hawking" in die Höhe, und als dem durchschnittlich unterbelichteten Trumpanhänger klar wurde, was Hawking gesagt hatte, setzte ein Shitstorm gegen ihn ein. Zu guter Letzt meldete sich auch noch Corey Lewandowski, seines Zeichens Wahlkampfmanager der androiden Perücke, zu Wort: "Für ein sogenanntes Genie war das aber ein grober Schnitzer. Wenn der Professor uns Schaden zufügen will, dann sollte er nächstes Mal besser English reden!"
Gut, dem Mann kann geholfen werden, dachte sich Stephen hawking und formulierte es noch mal so, dass auch Trumpfans den Kern der Nachricht verstehen können: "Trump bad man, real bad man!"*


(*Für AfD-Fans: Trump böser Mann, wirklich böser Mann)

 

Mai

30.05.2016

Schafe mit Glocke

Ja, was ein richtiger Staat sein will, der schafft sich auch eine paar hart erarbeitete Finanzprobleme an. So auch der Islamische Staat, der aufgrund kleiner Exportprobleme seiner erfolgreichen Ölmisswirtschaft sowie durch massive Land- und Einwohnerverluste seinen Staatshaushalt nicht mehr so richtig durchfinanzieren kann. Also was hilft's, die Steuern müssen rauf. Die Bußgelder müssen rauf. Die Anzahl der Straftatbestände müssen rauf. Neue Delikte bringen frisches Geld. Aber nicht irgendein frisches Geld, sondern US-Dollar. Die einzige von Waffenhändlern akzeptierte Währung. Also, keine Handschuhe oder Socken an: 30$. Abrasierter Bart: 100$. Konsum von Alkohol: 50$ und 50 Peitschenhiebe. Wobei; die körperliche Strafe kann man jetzt auch in Geldstrafen umwandeln lassen, weil Vater Terrorstaat ja dringend Asche braucht. 
Und weiter geht die wilde Jagd durch Absurdistan. Zeigt eine Frau ihre Augen: 10$ oder ein Gramm Gold. Versucht sie sich der Ausweiskontrolle zu entziehen: 23$. Was aber passiert, wenn die Sharia-Polizei kontrollieren will, ob die Papiere auch mit der Frau übereinstimmen? Dann muss sie ihre Augen zeigen und - zack - wieder ein Gramm Gold! Mein persönlicher Favorit bleibt aber: Schaf mit Glocke - Schaf wird konfisziert! Da wollen wohl ein paar der Isisten einen schwunghaften Handel mit Schafsglocken aufziehen. Ist wahrscheinlich so 'ne Monopolgeschichte! Für die Zeit nach dem Untergang ...

28.05.2016

Schlacht der Torten

Großartig, allein der Name: Antifaschistische Initiative "Torten für Menschenfeinde". Und dann die Symbolkraft der Geste. Eine Torte ins Gesicht von der Pin-up-Linken Sarah "Mit der würde ich ja auch mal, wenn sie nicht so viel reden würde" Wagenknecht. Patsch. Mitten auf dem Parteitag. Rumms. Mitten ins Gesicht. Wie schon vor Monaten bei der Pin-up-Alternativen Beatrix "Nee, mit der auf keinen Fall, selbst wenn ich blind, taub und dumm wäre" von Storch. Aber die ganze Schönheit dieser zwei Attentorten entfaltet sich erst durch de Kontext: ja, die Aufführungen der Politik sind mittlerweile auch nicht viel anders als das Ende eines x-beiebigen Stummfilms. Das wollte uns der Aktionskünstler wohl damit zu verstehen geben. Wunderbar. Nur ein bisschen enttäuschend, dass die Damen keine Kalorienbomben zurückgeworfen haben. Da fängt doch der gute alte Spaß dann erst richtig an. 

17.05.2016

Töte sie alle - am besten zweimal!

Die Philippinen haben einen neuen Besen zum Präsidenten gewählt, und noch bevor Rodrigo Duterte überhaupt vereidigt ist, sprüht er schon vor grandios genialen Ideen, in welchen Ecken denn da nun gut gekehrt werden müsste. Wer seine Kinder nachts auf der Straße rumlaufen lässt, wird eingesperrt - wegen Vernachlässigung. Kann sich dann noch weniger um die Kinder kümmern und wird gleich wieder eingesperrt - wegen Vernachlässigung. Ein Teufelskreis, den Duterte bei Schwerverbrechern aber anderes durchbrechen will; und Schwerverbrecher wird es auf den Inseln demnächst viele geben, weil die Todesstrafe nun wieder eingeführt wird und quasi für alles gilt. Klar, bei Mord, das ist so eine Auge um Auge Sache, aber auch bei Raub, Vergewaltigung, Drogenverkauf, Entführung und Falschparken vor dem Präsidentenpalast gibt es in Zukunft die Todesstrafe. Und wenn es für einen Delinquenten die zweifache Todesstrafe gibt, weil er zum Beispiel einem von ihm Verführten Drogen verkauft oder beim Falschparken die Politesse vergewaltigt hat, soll er auch zweimal hingerichtet werden. Der Tote wird also abgehängt und ein zweites Mal aufgeknüpft. "Am besten bis der Kopf vollständig vom Körper abgetrennt ist." erklärt Duterte vor Journalisten: "Ich mag das, weil ich wahnsinnig bin!"
Und das ist ja mal was Neues, dass so ein Alterspräsident schon mal vorab zugibt, wie er so ticken wird. Langsam und regelmäßig wie eine Bombe. 

04.05.2016

Erscheinungen

Nur einen Tag nach einer Sonnenfinsternis findet ein indonesischer Fischer auf einer abgelegenen Insel die Hülle einer freundlich dreinblickenden Frau. Seine messerscharfe Analyse: das kann nur ein gefallener Engel sein. Zuhause kümmert sich seine Frau liebevoll um das Wesen, stopft es aus, kleidet es ein und präsentiert den staunenden Nachbarn die Himmelserscheinung. Binnen weniger Tage entsteht ein kleiner Wallfahrtsort und andere gabenfreudige Anhänger solcher Aberglaubenskaspereien finden sich ein und beten die Engelin an. Die regiert nicht, wahrscheinlich weil sie immer noch völlig verwirrt davon ist, plötzlich angezogen zu sein. Denn wie ein paar neugierige Polizisten nun Wochen später auf den ersten Blick fachmännisch feststellen, handelt es sich bei der himmlischen Erscheinung lediglich um eine defekte Sexpuppe. Sie beschlagnahmen das Corpus ohne Delicti und der Fischer und seine Frau müssen jetzt über ein neues Geschäftsmodell nachdenken.
Das gilt auch für eine 45jährige Schlaubergerin, die auf einer Wache in Toulouse erschien, um die Qualität der jüngst vor ihr erworbenen Drogen im Polizeilabor auf Qualität testen zu lassen, denn: "Ich will nicht, dass die Leute an einer Überdosis sterben!" Und damit das auch wirklich nicht passiert, zog die Polizei die Koksbeutelchen ein - und die Hobbydealerin gleich mit. Und das sage nochmal einer, Koks schadet nicht.

April

29.04.2016

Trotzdem Präsident bleiben

Immer wieder mal schön zu hören, gerade weil so selten: gegen einen amtierenden afrikanischen Präsidenten wird nun doch Anklage wegen Korruption in 783 Fällen (!) erhoben. Auch wenn die Fälle fast 15 Jahre her sind und die Staatsanwaltschaft das Verfahren 2009 und überraschenderweise vor Zumas Wahl zum Präses von Südafrika eingestellt hatte. Laut dem obersten Gericht in Pretoria war diese Einstellung völlig irrational und wurde deswegen heute aufgehoben. Damit kommen Zumas Geschäfte mit dem französischen Rüstungskonzern Thales nun doch zur Verhandlung. Was ja auch mal den Blick wieder in die anderen Richtung lenken sollte: denn wo immer jemand Geld in die Tasche steckt, gibt es auch jemanden, der es ihm in die Tasche stopft.

Was es aber wieder ein bißchen afrikanischer macht: Schon vor einem Monat wurde Zuma von einem Gericht wegen der seltsamen Finanzierung für die 25 Millionen teuren Umbauten seiner Privatvilla des Verfassungsbruchs verurteilt. Ist aber immer noch Präsident. Und das ist nicht mal Uli Hoeness geglückt.

24.04.2016

Missverständnis

Bild titelt: Deutsche schwimmt von Europa nach Afrika! Und ganz ehrlich, im ersten Moment, durch das Priming der ständigen Flüchtlingsversenkungen, hab ich mir da was ganz merkwürdiges zusammengedacht. Dabei ging es nur um einen Schwimmweltrekord, den die junge Nathalie Pohl in der Meerenge von Gibraltar vollbracht hat. Und ich hab spontan gedacht, da zeigt mal endlich einer den ganzen afrikanischen Festlandbewohnern, wie man so was macht. 15 Kilometer in unter drei Stunden. Ohne Schlepper, einfach nur im praktischen Einteiler. Als nächstes will Frau Pohl den Ärmelkanal durchschwimmen. Das macht aber als Demonstration erst wirklich Sinn, wenn der Brexit durch ist und jemand dann wirklich immer noch nach England fliehen will. Aber wie gesagt, voll missverstanden, ging gar nicht darum ...

20.04.2016

Pauschalterrorismus

Im ewigen Widerstreit von Angst und Wohlgemut, zwischen Terrorabwehr und bürgerlicher Freiheit hat das Verfassungsgericht mal wieder ein Gesetz beanstandet, und zwar wie immer, in dem es dem Parlament Huddel, Pfusch und handwerkliche Mängel beim BKA-Gesetz vorwirft. Grundsätzlich sei man irgendwie mit der Idee der Ausweitung der Überwachungsmöglichkeiten einverstanden, aber grundgesetzlich seien da einfach zu viele Spekulationen und unerwünschte Nebeneffekte drin. Das Parlament muss jetzt Nachsitzen, bis irgendwann 2018 darf es das Gesetz noch mal neu einreichen.

Etwas leichter tut sich da Frankreich, dass nun einfach seinen in Herbst ausgerufenen Ausnahmezustand zum dritten Mal verlängert, selbstverständlich mit Blick auf die große Schleife der Radrennfahrer und die Europameisterschaft der Kicker. Als wenn das nicht zwei Sportveranstaltungen wären, die eh schon ein Ausnahmezustand sind. Das kann auf jeden Fall zu sehr interessanten Situationen führen, denn immerhin kann die Polizei jede Art von Versammlung kurzfristig auflösen. Also auch Klumpen von Fahrrad- oder Fußballfans. Da kommt Bewegung in die Sache.

Immerhin, eine Art Erfolg kann die spanische Polizei vermelden, die schon einen Tag nach den international verkündeten Warnungen, es werde Anschläge auf die Badestrände der Europäer geben, tatsächlich einen IS-Sympathisanten auf Mallorca verhaften konnte. Der hatte von der Insel aus versucht Kämpfer für den IS anzuwerben und ihnen die Reise nach Djahidistan zu organisieren, und ich schwör's, im ersten Augenblick - wahrscheinlich weil da Mallorca und Reiseorganisation in dem Satz standen - hab ich gelesen: hat versucht Touristen anzuwerben. Ja, sicher so ne all-inclusive-Sache. 

14.04.2016

Game of Thrones

Schweiz und Wallis, da kommt man auf Gedanken. Aber: Der schöne Schein trügt, titelt der Schweizer Blick. Denn nicht in den Bergen, sondern auf den sonst nur von der Erderwärmung, Plattentektonik und dem völligen Fehlen von Briefkastenfirmen und Unternehmenssteuern bedrohten Südseeinseln Wallis und Futuna tobt ein heftiger Machtkampf um den Thron. Kurz vor der für Samstag geplanten Krönung von Tominiko Halagahu erstürmten ungefähr zwei Dutzend Rebellen anderer Adelsfamilien den Königspalast und halten seit dem von innen die Türen zu. Oder so ähnlich. 
Nun kann man natürlich sagen: das ist ein klassischer Sack Reis. Was hat das mit der Achse des Blöden zu tun? Naja, rufe ich da entspannt zurück, mir ist zwar noch kein richtig guter Gag zum Thema eingefallen, aber immerhin gehören Wallis und Futuna als französisches Überseegebiet zur EU. Die zahlen da mit Muscheln und mit dem CFP-genanten Sondereuro für französische Überseeinseln. Und da haben die Könige? Und einen Adel, der die Könige bestimmt, wenn sie sich einigen könnten? Also nix mit les Enfants de la Patrie und so?  Pas de Revolution mit Bürgern, die ihre Peiniger selber wählen dürfen? Monsieur Hollande, je suis schocké. Gibt's denn da aus Brüssel nicht ganz genaue Normen, wie da so ne Südsee-EU-Demokratie durchzuführen ist? Müssen die nicht auch so acht bis zehn Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, nach dem proportionalen Schlüssel, der ja jetzt gilt und gilt und gilt? Und wenn es schon keine Wahlen gibt, wie steht es da um die Satirefreiheit? Oder ist da Ziegenficker gar keine Beleidigung?

11.04.2016

Palüm Palüm

Die Tribünen der TV-Studios und der kleinen Theater beben. Das Netz quillt geradezu über. Im Streit über die Grenzen des guten Geschmacks beim schlechten Humor (oder umgekehrt) versuchen sich jetzt - nach Androhung einer möglichen juristischen Verfolgung unseres großen völkischen Witzbolds Böhmermann - die deutschen Satiriker auf breiter Front mit der irgendwie typisch deutschen Taktik des Witzkriegs: mit jeder weiteren Depesche aus dem sicher auch bald tausendjährigem Reich der Osmaniakken werfen sich mehr und mehr unserer schärfsten Zungen selber in den Ring, um die Grenzen der Belastbarkeit auszuloten: die der Diplomaten, der Richter, Staatsanwälte und Paragrafen, und auch die der "moi aussi, je suis charlie"-mäßigen Satire-Freiheit.

Kollege Grünwald zum Beispiel wagt im schon immer für seinen feinsinnigen Humor bekannten BR das juristische Experiment, ob es strafbar werden könne, wenn er in einer erkennbar und angekündigten Rolle als Witzfigur Prinz Erdogan erst in Schutz und dann in Schmutz nimmt. Ja, sogar der einzige Didi Hallervorden, den wir je hatten, stimmt ein Schmählied auf den Führer der (verbliebenen) freien Türken an und bettelt dabei glaubwürdig um juristische Anerkennung. Leider singt er dabei so schlecht, dass man nicht anderes annehmen könnte als: das ist doch auch nur Satire. Eine die ihren Zweck aber erfüllen wird: die türkischen Diplomaten werden jetzt im Tagesrhythmus Anzeigen verfassen und Strafverfolgung verlangen. Und die Satiriker werden sich noch weiter aus dem Fenster lehnen und dann schließlich zum großen Schlag ausholen. Denn dann bringen wir die Gegendarstellungen. Da freu ich mich schon drauf wie Bolle!

(Übrigens: Freund Erdogan war in den Jahrbüchern der "Achse des Blöden" 2014 und 2015 mit sieben und dann mit dreizehn Tageseinträgen ins Klassenbuch der Weltgeschichte dem alleinigen Ranglistenführer Zar Putin lang auf den Fersen, bis sich die beiden entschlossen haben, öfter gemeinsam eingetragen zu werden. Die Anzahl der versteckten und offenen Beleidigungen habe ich nicht gezählt. Das darf dann wieder ein türkischer Rechtsgeleerter machen ;-)

04.04.2016

Oh, wie schön ist Panama

Wie heute nach monatelangen Vorbereitungen mit 400 Journalisten weltweit bekannt gemacht wurde, hat es nicht nur den süßen Bären und niedlichen Tiger an den großen Kanal gezogen - wenn auch nur auf dem Papier unter der Feder vom großen Janosch -, sondern auch zigzehntausende von hochgestellten Personen aus aller Herren Länder bzw. auch direkt die Herren dieser Länder, in diesem Fall auf den Papieren der jetzt wahrscheinlich nicht mehr so beliebten Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Das wirft natürlich jetzt kein gutes Licht auf die kleine Verdunkelung- und Verschleierungsoasen in Winzstaaten und entlegenen Inseln und auf die nun allesamt namentlich bekannten Briefkastenfirmenbegünstigten (Namen bitte der Presse entnehmen; ich bin einfach zu faul, um diese Riesenliste jetzt hier en Detail weiterzugeben. Warum auch, bei den meisten hatten wir doch sowieso schon immer den Verdacht). Und Panama ist da auch nur ein x-beliebiges Beispiel von knapp 80 Länderchen, den sich den Titel Oase in der großen Wüste des Tierkapitalismus süßsauer verdient haben. 
Bei der Masse und der Position der Begünstigten - allein bei der einen Kanzlei Mossack Fonseca, die zwar sehr raffiniert im Umgang mit Briefkastenfirmen, aber weniger geschickt mit ihrer eigener Computersicherheit ist, handelt es sich um knapp 215000 Scheinfirmen - kann man nun endlich mal einen konkreten Blick in den Abgrund des weltweiten Geldschummels werfen und über das System als solches nachdenken. Und nachdenken. Und nachmal nachdenken. Und mal schauen, ob man das System nicht vielleicht doch noch brauchen kann. Also natürlich moralisch einwandfrei. Und nachmal nachdenken. Und ...

März

29.03.2016

Wie man eine Metapher veranstaltet

Wie man den Mensch in einem Geländeversuch als das enttarnt, was er ohne einem stabilen Exoskelett aus Kultur ist, hat zu Ostern die beliebte Glucosemutationsküche PEZ (ja, die mit den Zuckerstückchenspendern in Comicfigurenform) mal demonstriert: auf drei Feldern am Stammsitz im Städtchen Orange wurden Ostereier und Süßigkeiten für Kinder in verschiedene Altersstufen versteckt und die Zwerglinge aus der Umgebung zu einer gemeinsamen Zucker- und Schokoladensause eingeladen. Doch bevor die Mitarbeiter von PEZ ihr gut gemeintes Fest offiziell eröffnen konnten, hatten die Eltern schon ihren Nachwuchs auf die Felder gezerrt und zum Verteilungskampf gezwungen, damit sie bei der Süßigkeitenjagd bloß nicht zu kurz kommen. Ein paar blutige Nasen, Hautabschürfungen und jede Menge sich gegenseitig über ihre Erziehungskünste anschreiende Vorbilder später musste die als Spaß geplante Veranstaltung abgebrochen werden.
"Wie die Heuschrecken sind sie eingefallen!" entschuldigt sich PEZ Manager Shawn Peterson: "Jeder stürzte auf das Feld und nahm alles. Eltern schubsten fremde Kleinkinder. Es war wie ein Witz. Wegen einiger weniger aus der guten Absicht ein durcheinander geworden ist!
So, und jetzt das ganze von drei Felder in Connecticut mal auf den kleinen lustigen blauen Planten hochrechnen. Fertig!

26.03.2016

Der verrückte Boss

Der Antiterrorbeauftragte der EU, Gilles de Kerchove, der mit einem einzigen Gesichtsausdruck jede Art von Schrecken verstärken kann, fordert hinterrücks mehr Mittel für seine kleine Behörde, denn er wäre "nicht überrascht, wenn in den nächsten fünf Jahren das Internet genutzt würde, um einen Angriff zu verüben!" Nein, wären wir auch nicht, weil es solche Angriffe ja schon seit der Jahrtausendwende gibt. Da muss er sich schon was Besseres einfallen lassen, damit wir es so mit der Angst bekommen, wie er sich das vorstellt. Ach so, er meint, Hacker könnten das Stellwerk vom Brüsseler Hauptbahnhof oder sogar die Schaltzentrale eines Atomkraftwerks übernehmen. Ja, dann würden wir empfehlen, also wegen dem Internet und so, die Atomkraftwerke Zug um Zug vom Netz zu nehmen. Nur sone Überlegung.

Aber keine Angst, de Kerchove ist mit der Überschrift nicht gemeint, sondern der nun endlich gefasste dritte Attentäter von Brüssel: der mutmaßliche Boss der Bande namens Faycal Cheffou. Und jetzt mal ehrlich, dessen Perso kann ja nur von einem Flamen ausgestellt worden sein, denn ein Wallone hätte schon gleich am Nachnamenwortspiel gemerkt, mit wem er es da zu tun bekommen hat. 

25.03.2016

Fortschritte im Bereich der weichen Waren

Gesichtserkennung leistet ja schon in Banken und Flughäfen Dienste, mittlerweile sind auch die Systeme für den Privatbereich schon so weit gediehen, dass Kameras im Schlafzimmer erkennen, ob sich ein Bekannter oder ein Fremder darin aufhält. Und damit ist die Gesichtserkennung per Algorithmus unter Umständen sogar interessierter als so mancher einsamer Single im selben Schafzimmer. Aber Gesichtserkennung daheim gilt nicht nur für Menschen, nein, auch Adi, der Dackel, und Sir Scheißalot, der verfressene Kater, werden am Gesicht erkannt; und zwar von ihrer automatischen Fütterungsmaschine. Die merkt sich dann, wie oft das Katerchen am Napf war und verweigert bei Überschreitung der Gesamtkalorienmenge die Nachfütterung. Gibt's dann später auch für Kühlschränke und Schokoladenschubladen. Besonders lustig wird so eine Erkennung im Comedyclub Theatre Neo in Barcelona eingesetzt. Während der Vorträge der Scherzkekse werden die Gesichter des Publikums erfasst und deren Lacher gezählt. Statt Eintritt wird dann Austritt bezahlt, und zwar pro Person individuell berechnet nach Anzahl der Lacher. Super System. Freu mich schon darauf, wenn der erste Spaßmichelklub das in Stuttgart versucht. Da werden die Sparschwaben zwei Stunden mit versteinerten Gesichtern den besten Gags zuhören, um nix zu bezahlen. Und dann draußen auf der Straße platzen. Wunderbare neue Welt.

19.03.2016

Politik live

Wie nicht anderes zu erwarten hat der Flüchtlingsdeal zwischen Europa und der Türkei gemischte Reaktionen hervorgerufen. Wer in Zukunft auf die küstennahen griechischen Inseln übersetzt, kann nun ohne Aufheben wieder in die Türkei zurück gebracht werden, um sich tags drauf wieder für ein neues Schlauchboot anstellen, bis er kein Geld mehr hat. So soll das Geschäft der Schlepper ausgetrocknet werden. Böse Zungen behaupten, dass die Schlepper dann neue Routen finden werden. Weswegen ja auch der Schutz der Außengrenzen der EU das nächste wichtige Ziel ist. Und auch die grösste Gefahr sei gebannt, meint das Chefgespenst der osteuropäischen Eu-Länder, Victor Orban: "Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen seien bei diesem Gipfel kein Thema mehr gewesen!" Italienische Abgeordnete wiederum sind nicht so glücklich, weil sie vermuten, dass die Nichtschwimmer jetzt wieder verstärkt über die sizilianischen Inseln geschleust werden.
Und nicht zuletzt sehen auch einige NGOs den ganze Deal als nicht gesetzeskonform, denn angesichts dessen, was der größte Sultan aller Zeiten in den letzten Jahren da an Rückschritten veranstaltet hat und was er jetzt in Form von beinahe täglichen Sprengstoffattentaten in Ankara und Istanbul zurückbekommt, kann man in Bezug auf die Türkei eine Formulierung nun wirklich nicht mehr benutzen: sicheres Herkunftsland! Das aber wäre im Asylrecht die wesentliche Voraussetzung, um die Flüchtlinge wieder dorthin zurückzuschicken, wo auch kein Pfeffer mehr wächst. Das aber sind Probleme, die sich mit der Verschiebung von sechs Milliarden euro aus der Gelddruckmaschine in Richtung Erdogan Korruptionsnetzwerk leicht aus dem Weg schieben lassen. Halt Politik nach dem cash as cash can-Prinzip.

13.03.2016

Unterschiedliche Strategien

Heute haben die verschiedenen, geistig verwirrten Terroristen mal wieder kräftig zugeschlagen: in der Türkei, an der Elfenbeinküste und in Sachsen-Anhalt. In Ankara sind die mordlustigen Lausbuben eher klassisch vorgegangen: mit der Autobombe auf den belebten Kizilay-Platz gefahren und gezündet. Auch an der Elfenbeinküste hat man sich eher rudimentärer Techniken erinnert und mit durchgeladenen Gewehren ein Strandhotel erstürmt. Ganz wichtig auch hier: die anderen dürfen nicht bewaffnet sein. In einem so zivilisieren Land wie Sachsen-Anhalt aber haben sich die Terrorbrüder und - Schwestern etwas viel Raffinierteres ausgedacht. Statt selber zum bomben oder zu schießen, lassen sie sich lieber von den geistig verwirrten Volksteilen in die kommunalen Parlamente wählen. Aber ähnlich wie bei einer Autobombe wird es bald einen großen Knall geben, aber ganz ganz langsam. Zeit sich ein paar Ohrenstöpsel zu besorgen.

04.03.2016

Paralleler Strukturwandel

Also eigentlich hatte ich mir ja für dieses Jahr vorgenommen, die üblichen Serientäter auf der Achse des Blöden mal öfter links liegen zu lassen, aber trotz Erhöhung er Kotzreizschwelle muss ich doch mal wieder was zu Prunz Erdogan von Erdoganien anmerken: Am Abend erstürmte ein Spezialkommando der türkischen Polizei das Redaktionsgebäude der Tageszeitung Zaman, die nicht nur die auflagenstärkste ist, sondern angeblich auch Erdogan Intimfeind Glen nahestehende unter den verbliebenen freien Medien sein soll. Und so eine Polizei macht das natürlich nicht einfach so, nein, es gab sogar einen Gerichtsbeschluss zur Übernahme des Blattes durch einen staatlich eingesetzten Treuhänder. Kleiner Fauxpas unter Juristen: ein Grund für die Konfiszierung geht wohl aus dem Urteil nicht hervor und wurde den nun ausgesperrten Mitarbeitern von Zaman wohl nicht genannt.

Den twittert dann dafür eine von Erdogans Plaudertaschen und Zustimmungsabgeordneten, Emrullah Isler: "Die Übernahme sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die parallele Struktur!". Und parallele Struktur ist auch nur ein erdoganischer Kakophemismus für Opposition. Die, findet nämlich die regierende Partei auf Geheiß ihres GröPrAZ, hat in der modernen Türkei einfach nichts mehr zu suchen. Auch nicht zwischen den Artikeln einer Tageszeitung versteckt. Oder sonstwo. Bringt nur Unordnung in so eine Demokratie. Das entspricht zwar nicht der im Prinzip noch gültigen Verfassung der Türkei, aber sehr wohl der geistigen Verfassung ihres selbsternannten Großkotz.

Februar

29.02.2016

Schwedenporno

Nicht nur das Jahr legt heute eine Extraschicht ein und zwingt mich so zu einer Zugabe, nein, auch der Jugendflügel von Schwedens Liberaler Volkspartei LUF hat sich da ein paar Möglichkeiten für Extraschichten ausgedacht, zum Beispiel für Geschwister. Denn wenn es nach den ja sonst schon freizügigen Nachwuchsschweden geht, soll die Geschwisterliebe mit Extras ab dem 15. Lebensjahr erlaubt werden. Denn mal ehrlich: so ein bisschen Versöhnungssex kann doch pubertierenden Hormonmonstern nur gut tun, wenn sie da ihre halbes Leben auf zwölf Quadratmeter Jugendzimmer aufeinander hängen müssen. Aber damit nicht genug der Extra-Ideen. Wie LUF-Vorsitzende Cecilia Johnsson den Journalisten des heimischen "Aftonbladet" in die Hirnwindungen tätuwiert: "Ich verstehe, dass es als ungewöhnlich und widerlich angesehen wird, aber die Gesetzgebung kann nicht auf Ekel basieren!" Und damit meint sie nicht den Ekel, den normale 15jährige vor ihren Geschwistern haben, sondern den Zombie-Sex mit Toten. Aber selbstverständlich nur mit denen, die vorher eine Einverständniserklärung zur Leichenschändung abgegeben haben. Denn "Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, was mit seinem Körper nach dem Tod passiert. Ob den Körper einem Museum oder der Wissenschaft zur Verfügung stellen oder jemanden für Geschlechtsverkehr überlassen: Beides sollte in Ordnung sein!" Und - Pfizer hin, Viagra her - das hört sich ein klein wenig so an, als wollte Fräulein Cecilia demnächst mal eine männliche Totenstarre gezielt ausnutzen.

28.02.2016

No Respect

Viel besser als man selbst als täglich hart arbeitender Satiriker kann ja der eine oder andere Staatsverweser die dunklen Gedanken in seinen Hirnwindungen beleuchten: "Als Tayyip Erdogan glaube ich an die Verteidigung der Meinungsfreiheit bis zuletzt. Ich glaube aber nicht an den Gebrauch der Meinungsfreiheit als Maske für einen Angriff auf das Land! Denn dies ist Spionage!" Und das hat Null Null Erdogan mit der Lizenz zum Blöden mal wieder sonnenklar erkannt; wenn da einfach zwei Journalisten Artikel über die Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten recherchieren und beweisen, dann ist auch nur so eine Maske. Und die gehört den beiden vom Gesicht gerissen. Nachdem sie jetzt aber drei Monate in Untersuchungshaft saßen, hat das Verfassungsgericht die Herren Dündar und Gül wieder auf freien Fuß gesetzt, weil ihr Recht auf Meinungsfreiheit und ihre Persönlichkeitsrechte durch die persönlich vom Präsidenten angestrengten Klage verletzt worden seien. Das Verfahren wegen Spionage wird natürlich trotzdem wie von Erdogan geplant am 25. März beginnen, denn "Meiner Meinung nach kann es keine grenzenlose Freiheit der Medien geben!" Und auch die grenzenlose Freiheit des Verfassungsgerichts geht Meister Tayyip irgendwie zu weit, weswegen er mal klarstellt, dass er "weder Respekt vor der Entscheidung des Gerichts habe, noch werde er es akzeptieren!" Aha. Da können sich schon mal ein paar von diesen obersten Rechtsproleten warm anziehen. Nicht dass die da ihre Gesetze als Maske für einen Angriff auf den heiligen Präsidenten benutzen.

26.02.2016

Keinerlei Zusammenhang 

"Rauchen ist da grösste vermeidbare Gesundheitsrisiko" betont die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, und wenn die das sagt, wird das wohl stimmen, trotz schlucken und spritzen. Deswegen bekommen wir jetzt auch diese angeblich abschreckenden und tatsächlich recht widerlichen Schockfotos von verkümmerten Föten, herumliegengelassenen Lungenflügeln und abben Beinen. Und zwar nicht etwa wegen der Mahnung der EU, das Deutsche Recht da endlich anzupassen - denn wer hört schon zur Zeit noch auf die EU? -, sondern wahrscheinlich vor allem deswegen, weil die vielen Passivwähler gegen diese Ungleichbehandlung protestiert haben: schließlich müssen wir uns ja auch wieder vor den anstehenden Wahlen in drei Bundesländern ständig diese abschreckenden und tatsächlich recht widerlichen Fotos von Politikern aller möglichen etablierten und kürzlich erfundenen Parteien anschauen. Am Ende womöglich mit demselben Zweck: wir sollen zum Nichtwähler geschockt werden. 

25.02.2016

Feuerpäuschen

Wie sich heutzutage die verschiedenen Volksbeherrscher so eine friedensstiftende Maßnahme wie einen Waffenstillstand vorstellen, ist schon - Entschuldigung für den Begriff - entwaffnend! Denn die nun von Russen und Amerikaner mal so eben zwischendrin telefonisch vereinbarte Feuerpause soll ja nun irgendwie für ganz Syrien gelten, aber dann doch nicht so: natürlich sind die von der IS-Miliz besetzten Gebiete ausgenommen. Und auch die al-Nusra-Front. Und auch alle andere Terroristengruppen, die vom UN-Sicherheitsrat auch als solche bezeichnet werden. Wen Assad so als Terroristen ansieht, gilt erst mal nicht. Aber etwas weiter nördlich gibt's da ja noch den kalten Mann vom Bosporus, der wiederum beharrt darauf, dass auch die kurdischen Kämpfer seit jeher und jetzt erst recht wieder auch nichts anderes als Terroristen sind. Für die natürlich auch kein Waffenstillstand in Frage kommen kann, jetzt wo man sich grade mit seinen deutschen Panzerhaubitzen so schön auf die kurdischen Stellungen in Nordsyrien eingeschossen hat. Also eben jene Kurden, die seit Monaten von der Bundeswehr ausgerüstet und ausgebildet werden, weil sie als Einzige effektiv gegen die eigentlichen Terroristen am Boden kämpfen. Und so gilt dann ab Samstag eine Feuerpause, bei der weiter fast jeder auf jeden schießt - und wer sich dabei erwischen lässt, wird dann wohl wieder aus der Luft von Amis und Russen an die Feuerpause erinnert. Aber immerhin: Amis und Russen machen mal wieder was zusammen. Und das mitten im kalten Krieg. Toll! 

23.02.2016

Friendly Fire

Die Nordsee-Zeitung ist nicht etwa das Werbeblättchen der gleichnamigen Frittierfischbude, sondern eine echte Zeitung mit vollwertigen journalistischem Anspruch und so. Und für das "und so" war heute ein 44jähriger Redakteur zuständig, der über den aktuellen Ausrüstungsstand der Bremerhavener Polizei berichten sollte und vom dortigen Ausbildungsleiter in Sachen Waffengebrauch eine spürbare Erkenntnisse vermittelt bekam. Bei der Demonstration einer neuen Polizeipistole löste sich wie von selbst ein Schuss und traf den Redakteur am Oberschenkel. Glatter Durchschuss. Einfach so. 
Und das sollte doch den Pegida-Anhängern im ganzen Land eine Genugtuung sein, dass die neuen Polizeipistolen einfach so und von selbst auf die Vertreter der Lügenpresse schießen.

20.02.2016

Reisegenuss

"Wir sind ein Volk!" skandierte der Mob bei der Ankunft eines Flüchtlingsbusses im sächsischen Clausnitz. Und beschwören damit die Wiedervereinigung. Die, das haben sie vielleicht nicht mitbekommen, schon vor 'nem Vierteljahrhundert durchgewunken wurde. Oder meinten sie vielleicht die Wiedervereinigung mit ihrem Gedächtnis. Denn DDR und BRD haben nach dem letzten Krieg 14 Millionen Flüchtlingen aufgenommen. Und da ging's uns wesentlich schlechter. Und auch nach dem Mauerfall hat die BRD knapp 2 Millionen Wirtschaftsflüchtlinge aus der Ex-DDR aufgenommen. Die hat hier auch keiner angeschrieen und ihnen gesagt, sie sollen gefälligst nach Hause gehen, weil wir Wessis vorher auch schon ein Volk waren. Und was für eins. Immerhin, aus dem Stadtrat von Clausnitz gibt es vereinzelt Gerüchte, dass man sich nicht sicher sei, ob das gut für den Tourismus ist, wenn man ankommende Gäste als allererstes mal anbrüllt, sie sollen gefälligst nach Hause gehen. Das wäre ja dumm. Wenn die Gäste aber Flüchtlinge sind, die im Moment gar nicht nach Hause können, selbst wenn sie wollten, dann geht das über Dummheit hinaus. Da kann ich den Volkstrotteln nur zurufen: Ihr seid vielleicht ein Volk! Aber in diesem Fall, bin ich ein anderes. Aber liebe Grüße aus Deutschland. 

06.02.2016

Na denn, Prost!

Wüste Beschimpfungen und Prügeleien. Was sich wie die 3D-Version eines x-beliebigen Onlineforums anhört, sind tatsächlich die regelmäßigen Sitzungen der Stadträte in der Kleinstadt Pianco im brasilianischen Bundesland Paraiba. Da fällt auch mal einem Politiker namens Antonio Acevedo Xavier mitten in der üblichen Rauferei die Whiskyflasche aus der Tasche. Wohlgemerkt: Flasche, nicht Flachmann. Wozu der betroffene Fachmann sagt: "Alle Abgeordneten trinken. Ich selber nehme aus Anraten meines Kardiologen fünf bis sechs Drinks am Tag!" Weil aber der Oberbürgermeister namens Pedro da Silva die Schnauze von solche medizinischen Ratschlägen gestrichen voll hat, wartet er mit einer Innovation in der Kontrolle demokratischer Institutionen aus: er führt obligatorische Alkoholtests vor jeder Stadtratssitzung ein. Und ja, seitdem soll es schon ein bißchen besser geworden sein. Sogar erste Beschlüsse schon gefasst. Angeblich.

Nun haben wir hier bei uns ja nicht soviele bekennende Trinker, aber vielleicht könnte man so einen kombinierten IQ-und Alko-Test vor den Türen des Bundestags durchführen, bestehend aus vier Fragen: Was machen Sie hier? Haben Sie die Vorlagen für die heutige Sitzung durchgelesen? Verstehen Sie die englischsprachigen, juristischen Fachtexte im geheimen TTIP-Lesungszimmer? Und wann hatten Sie ihren letzten Schoppen?

03.02.2016

Voller Integrationserfolg

Nach all den nun auch nicht besonders originellen Sprechgesängen und wahnsinnig interessanten Sprechdurchfällen, nach dem Hin und Her um den Integrationsbambi und auch nach all den bösen Gerüchten um seine kriminellen Hintergründe, also nach all den typischen Auf- und Abs im Leben eines Gangsterrappers ist Deutschlands ehemaliger Vorzeige-Außenseiter Bushido nun doch endlich in rechts oben in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Beweis: heute hat er einen Strafbefehl über 135.000 € wegen Steuerhinterziehung erhalten. Ist jetzt also bestens voll integriert.

Januar

29.01.2017

Schweizer Eigentor

Nach einer Serie von Einbrüchen im Jahr 2012 verlangten die Bürger der kleinen Gemeinde Roveredo eine größere Polizeipräsenz vom Justizdirektor des Kantons Graubünden, um ihre Häuser und Höfe zu schützen. Der Antrag wurde positiv beschieden und, tatsächlich, die Einbrüche hörten auf. Jetzt, drei Jahre später, hat sich der Gemeindepräsident auf Drängen der Einwohner wieder an den Kanton gewendet, diesmal aber mit einer anderen Beschwerde. Seitdem die aufgestockte Polizeitruppe ihren Zweck erfüllt und die Diebe vertrieben hatte, brach ein wenig die Langeweile bei den Gesetzeshütern aus. Also erhöhten sie sukzessive die Alkohol- und Verkehrskontrollen. Das treibt natürlich das Aufkommen aus Geldbußen in die Höhe; und die Einwohner mittlerweile auf die Palme.
Und was lernen wir daraus: man soll sich vor seinen Wünschen auch immer ein bißchen fürchten.

21.01.2016

Halali

In besonders beeindruckend boshafter Art und Weise hat Frau Professorin Suad Saleh ihre über tausend Jahre alte Al-Azhar Universität in Kairo mit ein paar wenigen Sätzen zu einem Ort degradiert, in dem offensichtlich nicht gelehrt sondern geleert wird. Oder ausgekübelt. In einem Fernseh-Interview zu wichtigen Fragen der Sexsklaverei entblödete Madame sich nicht, ihren männlichen Glaubensbrüdern darzulegen, dass "Sex mit gekauften Sklavinnen aus den armen Ländern Asiens haram, also unrein sei" und dass sie sich zur Überwindung ihrer unkontrollierbaren Bedürfnisse gefälligst "an weibliche Kriegsgefangene" zu halten haben. Denn nur, und zwar nur die im "legitimen, weil heiligen Krieg gegen die Feinde des Islam" frisch aus Haus und Küche gepflückte Heidenfrauen seien halal und von Freund Allah höchstpersönlich als Zwangsfrischfleisch vorgesehen. Und das gelte nicht nur für Frauen aus aktuellen Kriegsgebieten, sondern im Prinzip zum Beispiel auch "für jede Israelin, denn Israel ist ja auch ein Feind Allahs". Wichtig wäre aber darauf zu achten, dass die Frau nicht doch heimlich eine Muslima sei, denn da wäre sie zwar halal, die Vergewaltigung aber haram. Ist doch logisch. Und muss auch so sein, weil der arme Islamiker, der leider kein Geld für eine Heirat hat (sehr halal), muss ja sein Ding auch irgendwo reinstecken müssen dürfen, und da hat Allah in seiner erbarmungswürdigen Weisheit eben Sex mit Kriegsbeute eingeplant. Ja, so fühlt es sich halt an, das praktizierte Mittelalter. 

12.01.2016

All explosive

Der Programmpunkt Spontane Selbstentzündung an öffentlichen Orten belebt jetzt auch das touristische Leistungsangebot der Türkei, die damit nach all den Anstrengungen der letzten Jahre endgültig in Sachen Abenteuerurlaub zu anderen beliebten Urlaubsländern im vorderen Orient aufschließt. Diesmal hat es knapp ein Dutzend deutscher Touristen getroffen, die sich auf dem Platz zwischen Hagia Sofia und Blauer Moschee von der Todessehnsucht eines dieser verwirrten Selbstmordattentäter unangenehm überraschen lassen mussten. Bittere Spitze des Schicksals an der Stelle: der Berliner Reiseveranstalter hört auf den treffenden Namen Lebenslust. Und auch unser aller Innenminister des Äußersten, Lothar deMaizière, sieht "zudem keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzuraten." Schließlich ist man ja kein Kurde. Oder Russe. 

Aber mal kurz überlegt: wenn wir jetzt alle Türkeireisen canceln, dann könnten die Türken doch eine halbe Million Syrer in den dann leerstehenden Hotels unterbringen. Die Kosten übernimmt Frau Merkel eigne, denn eine Person kostet ohne Flug, aber all inklusive knapp 400 € pro Monat. Also doch deutlich weniger, was uns die Flüchtlinge hier kosten; mal ganz abgesehen von den eingesparten Nerven.

06.01.2016

Expertentipp

Nach den öffentlichen Räubereien und sexuellen Belästigungen an dutzenden von Frauen während der Silvesternacht vor dem Kölner Dom und den daraufhin wie immer inhaltlichen Verfälschungen und maßlosen Übertreibungen zu Anzahl und Herkunft der möglichen Täter der in diesem Fall von den Pegidasten ausnahmsweise mal nicht als "Lügenpresse" bezeichneten Lügenpresse, gibt ausgerechnet die amtierende Bürgermeisterin der Domstadt, Henriette Reker, allen Frauen den außerordentlichen klugen Rat immer "eine Armlänge Distanz zu Fremden zu halten". Und das vor allem auch bei den anstehenden Festtagen des Straßenkarnevals, bei dem es traditionell ja darum geht, jegliche Form von zwischenmenschlichen Abstand auf das absolute Minimum zu reduzieren.

Dass aber eine Armlänge nicht unbedingt ausreicht, müsste grade Frau Reker wissen, ist es doch nichtmal acht Wochen her (siehe Die Achse des Blöden vom 17.10.2015), dass sie selbst von einem verwirrten Mann niedergestreckt wurde, der seine Armlänge illegalerweise um eine Messerlänge verlängert hat. Deswegen mein Tipp an alle hübschen Kölsche Gören: Kommt während der tollen Tage nach Frankfurt, denn hier haben wir auch im größten Gedränge eine Distanzpflicht von doppelter Armlänge - bis man sich näher kennengelernt hat. Ehrlich! Ganz bestimmt!

01.01.2016

Neujahrsrituale

In der Silvesternacht rennt das Volk auf die Straße und vertreibt die bösen Geister mit Flamme und Knall. Aber es geht auch besser. In Dubai z.B. nutzt man einen der gesichtslosen Hochhausbauten für einen beeindruckenden Spezialeffekt: eine dreihundert Meter hohe Fackel. Leider gucken all in die andere Richtung, denn die Scheichs lassen es über dem Meer krachen. In Pariser Vororten hat man kein Geld für Knallfrösche, aber: Autos brennen ja auch gut! Immerhin nur 800 Stück, also 14% weniger als letztes Jahr. Da setzt die Läuterung durch den Ausnahmezustand schon ein. In der Schweiz brennt ein Sägewerk ab. Gut, das sieht mehr nach heißen Abriss aus, kann man aber als Freudenfeuer gelten lassen, wenn die Versicherung zahlt. Und weil es in Berlin immer noch einer bißchen größer sein darf, seit man wieder eine Bannmeile hat, durfte die Polizei mal ausrücken und im Keller eines Pyromaniakken aufräumen, der dort bis zu einer Tonne illegales Feuerwerk gehortet hat. Eine Tonne. Und da fragen sich unsere Geheimdienste noch, wo zukünftige Selbstmordattentäter den Sprengstoff herbekommen. Ansonsten gab's reichlich harmlose Unfälle und die für Deutschland normalen Brände auf Balkonen und Asylatenheimdächern.

Das zweites Ritual, an dem man den Beginn des neuen Jahres zugverlässlich erkennen kann: es treten neue Gesetze in Kraft. In Deutschland z.B. die verbindliche Frauenquote für Chefetagen; Chromosom vor Kompetenz - in Zukunft muss jeder neue Chef zu mindestens 30% weiblich sein. Und in Texas kehrt der Wilde Westen zurück, denn ab heute darf wieder jeder Texaner mit einem Revolver am Gürtelhalfter durch den bis jetzt noch bevölkerungsreichsten Staat der USA stolpern und Fachgespräche vor und nach dem Gebrauch seiner Waffe führen. Das haben die sich da schon immer gewünscht, dass es wieder so schön wird wie früher. Ein Auftakt mach Maß!

beim Hessenslam im Staatstheater Darmstadt
beim Hessenslam im Staatstheater Darmstadt

Hofheimer Häkelhirschkopf für den ersten Platz beim Wortwechsel Poetry Slam

Story Palme Anagramm von Poetry Slam, gewonnen bei Krawall & Zärtlichkeit in Essen.

Achtung: Frankfurts neue Lesebühne! sucht immer neue Locations. Mehr unter Rum&Ähre!
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